Stellungnahme 1/2008

Positionspapier zur Problematik der B/M-Studiengänge und
 –abschlüsse an bayerischen Universitäten sowie deren schulischen Auswirkungen

An die Abteilungen II und IX des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus bzw. des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

  1. Wir erachten die Vergabe des Abschlusses „Bachelor of Science“ für das Studium LA Realschule und Gymnasium für zwingend. Begründung: In mehreren Bundesländern ist dies eingeführte Praxis. Es ist nicht einzusehen, warum bayerische Lehramtsstudenten diesbezüglich benachteiligt werden sollen. Ein Abschluß „Bachelor of Science“ wird gegenüber dem „Bachelor of Education“ in der Wirtschaft allgemein als höherwertig betrachtet. Wir bitten das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus zusammen mit dem Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, dies zu fördern und in diesem Sinn auf die Universitäten einzuwirken.

  2. Die Promotionsmöglichkeit für den Abschluss LA an Grundschulen und LA an Hauptschulen muss erhalten bleiben. Auch hierzu bitten wir das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus zusammen mit dem Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst auf die Universitäten einzuwirken, dass entsprechende Wege in die Promotionsordnungen bzw. Prüfungsordnungen für Masterstudiengänge eingebaut und definiert werden.

  3. Der Weg der Lehramtsstudenten ist bis zum Abschluß „Bachelor“ hinreichend definiert, danach aber nicht mehr. Es gilt zu verhindern, dass die Studentenwerke ihre BAFöG-Zahlungen etwa wegen Erreichen eines Abschlusses einstellen bzw. eine Wahl von fachlichen Master-Studiengängen als Studiengangwechsel werten. Solche Regelungen können nicht von Universitäten getroffen, sondern müssten höheren Ortes initiiert werden. Unserer Meinung nach obliegt es dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, initiativ zu werden und die Situation rechtlich zu klären.

  4. Zurzeit ist unklar, welchen Status Lehramts-Studenten haben, die den Studiengang Bachelor of Education bzw. Bachelor of Science abgeschlossen haben und das Lehramt, nicht jedoch einen Master-Abschluss, weiter anstreben. Wir bitten das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, zusammen mit dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus einen klaren Weg aufzuzeigen, der an den Universitäten gangbar ist.

  5. Mit der Umstellung der Studiengänge auf das B/M-System und der Einführung der neuen LPO I wird der Korrekturaufwand für die beteiligten Personen massiv steigen. Das bedeutet eine erhebliche Arbeitsmehrbelastung, da jede ausführliche Korrektur einer schriftlichen Arbeit im Mittel 60 Minuten erfordert. Da dies nicht kostenneutral geschehen kann, müssen durch das Prüfungsamt akzeptable Lösungen gefunden werden. Eine einzige Teilnahme an einer mehrtägigen Tagung, was ja zwingend in der vorlesungsfreien Zeit und somit während der Korrekturzeit zu erfolgen hat, kann das Einhalten des Zeitplanes schon unmöglich machen. Auf Grund der Entwicklung bei den Studentenzahlen ist ein weiter steigender Aufwand bis 2012, und aufgrund des doppelten Abiturjahrganges weiter bis mindestens 2017, sicher.

  6. Generell sollte der Lehramtsausbildung mehr Gewicht beigemessen werden. Gerade in der Phase der Neuorientierung der Lehramtsausbildung und personeller Veränderungen wird deutlich, daß Bayern nicht potent ist, seinen eigenen universitären Nachwuchs zu erzeugen. Das liegt in der niedrigrangigen Besetzung der Stellen in der Fachdidaktik Chemie. Lediglich an der Universität Erlangen-Nürnberg kann promovierter Nachwuchs herangebildet werden. An allen anderen Universitäten erschöpfen sich die Akademischen Räte und abgeordneten Lehrkräfte in weit übermäßigen Lehrverpflichtungen (der tatsächliche Arbeitsaufwand übersteigt die Lehrverpflichtungen um teilweise über 50%). Die Entwicklung neuer Ausbildungskonzepte für das 21. Jahrhundert und die Anforderungen an moderne Lehrer für das Schulsystem von morgen, in dem wir einen Spitzenplatz in der OECD einnehmen möchten und könnten, ist nicht möglich. Wir bitten das Staatsministerium für Unterricht und Kultus, den Abbau und die Herabstufung der Wertigkeit naturwissenschaftlicher Fächer zu stoppen und den Trend umzukehren. Wir bitten das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, die Universitäten beim Ausbau von ausgewiesenen Fachdidaktiken (nicht Bereichsdidaktiken!) auf einen Rang zu unterstützen, der moderne Lehre wie Forschung ermöglicht.

Gez. M. Anton, LMU München, Sprecher;
R. Engel, U Regensburg;
B. Hügel, KU Eichstätt;
A. Buddeus, U Passau;
A. Kometz, U Erlangen-Nürnberg;
W. Wagner, U Bayreuth, stellv. Sprecher.
(TU München und U Würzburg vakant)

 

 

 
 

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