Stellungnahme 2/2004

 zu den aktuellen Tendenzen an manchen Universitäten Bayerns,  besonders Didaktik-Stellen abzustufen. Die Stellungnahme wurde von der im Juni 2004 neu gegründeten

Konferenz der Fachdidaktiken an den bayerischen Universitäten (KFBU)

einstimmig verabschiedet. Mit der Veröffentlichung des Wortlautes an dieser Stelle unterstützt die ABayCD die Stellungnahme besonders.

Stellungnahme zu den Plänen über die Abstufung der Didaktik-Stellen auf W2-/A-13-Niveau

Pläne, die Fachdidaktik-Lehrstühle/Professuren nicht mehr auszuschreiben und die Fachdidaktiken in Zukunft nur noch durch W2-Professuren oder Akademische Räte/Studienräte vertreten zu lassen - wie dies in den letzten Jahren in Einzelfällen schon realisiert worden ist und gegenwärtig als prinzipielle Option z.B. an der Universität Erlangen-Nürnberg und Universität Augsburg diskutiert wird -, haben bei den Vertretern der Fachdidaktiken auf ihrer Tagung in Erlangen/Nürnberg am 18. Juni 2004 große Besorgnis und Protest ausgelöst.

Wesentliche Gründe sprechen gegen diese Abstufungspläne:

  1. Die von der KMK eingesetzte Kommission für Lehrerbildung hat schon im Jahre 2000 mit Blick auf die Reform der Lehrerbildung nachdrücklich die „Verstärkung der Fachdidaktiken in Forschung und Lehre“ gefordert. Die Konsequenz aus dieser Forderung kann nur lauten, dass auch weiterhin die Fachdidaktiken in der Regel durch Lehrstuhl-Professuren (C4/W3) vertreten sein müssen. Lehrkräfte, die an die Universitäten abgeordnet werden, können weder das geforderte forschungsspezifische Anspruchsniveau realisieren noch den dringend notwendigen eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden.

  2. Die von der KMK-Kommission betonte Professionalisierung der Lehrerbildung kann nicht auf die bloße Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen reduziert werden, sondern erfordert zugleich eine Intensivierung der empirischen fachspezifischen Lehr- und Lernforschung. Qualitative und quantitative empirische Forschungen sind für die Fachdidaktiken unverzichtbar, wenn das didaktische Anspruchsniveau nicht auf den Stand der 1960er Jahre als Unterrichtslehre zurückfallen soll. Denn Fachdidaktik ist niemals nur Methodenvermittlung oder bloßer „Wissenschaftstransfer“. Die genuine Aufgabe der Fachdidaktik besteht in der interdisziplinär verorteten, Fachwissenschaft, Erziehungswissenschaft und Bezugswissenschaften integrierenden Entwicklung tragfähiger Theorien fachspezifischen unterrichtlichen Handelns für die schulische und außerschulische Praxis sowie deren empirische Evaluation. Insofern weist Fachdidaktik ein eigenständiges Forschungsdesign auf.

  3. Eine Lehrerbildung, die auf wissenschaftliche Fachdidaktiken verzichtet und didaktische Forschungseinrichtungen aus Unkenntnis oder finanziellen Erwägungen für verzichtbar erklärt, leistet einem weiteren Abfall des Leistungsniveaus in den Schulen Vorschub. Die erschreckenden Ergebnisse der jüngsten empirischen Vergleichstudien (TIMSS, PISA, IGLU etc.) haben sehr deutlich gemacht, wie notwendig es ist, die Lehrerausbildung weiter zu professionalisieren und durch empirische fachdidaktische Unterrichtsforschung auf noch gesichertere Fundamente zu stellen. Dazu ist es unverzichtbar, die Attraktivität der Lehrerbildung gerade auch für Nachwuchswissenschaftler(innen) zu erhalten und den Studierenden wissenschaftliche Qualifikationen zu vermitteln, die den zunehmenden Bildungsanforderungen an den Schulen gerecht werden.

  4. Die laut KMK-Beschluss vom 4.6.2004 geplanten BA-/MA-Lehramtsstudiengänge (Bachelor of Education/B.Ed bzw. Master of Education/M.Ed) erfordern nicht ein geringeres, sondern ein höheres wissenschaftliches Leistungsniveau der Fachdidaktiken. Dieses kann nicht von Schulpraktikern, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit seit vielen Jahren nicht mehr wissenschaftlich gearbeitet haben, erbracht werden. Zur Realisierung des von der KMK benannten „lehramtsorien-tierten Profils“ der BA-MA-Lehramtsstudiengänge bedarf es vielmehr einer Stärkung des wissenschaftlichen Profils der Fachdidaktiken, damit diese ihren mannigfachen anwendungs- wie forschungsorientierten Aufgaben im Rahmen der Lehrerbildung in wissenschaftlicher wie berufsqualifizierender Hinsicht nachkommen können.

Aus den o.g. Gründen appelliert die Konferenz der Fachdidaktiken an den Bayerischen Universitäten nachdrücklich an die Verantwortlichen in den Ministerien und an den Universitäten im Interesse einer fortschrittlichen und erfolgreichen Lehrerausbildung die personellen bzw. besoldungsspezifischen Voraussetzungen wissenschaftlich arbeitender Fachdidaktiken zu erhalten respektive zu stärken und entsprechend von Plänen zur Abstufung auf das Niveau von W2-Professuren bzw. Akademischen Ratsstellen/ Studienratsstellen Abstand zu nehmen.

Nürnberg, den 18. Juni 2004

Prof. Dr. Volker Frederking
 Vorsitzender der Konferenz der Fachdidaktiken an den bayerischen Universitäten

Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur Universität Erlangen-Nürnberg / Erziehungswissenschaftl. Fakultät Regensburger Straße 160
90478 Nürnberg
Tel.: 0911/5302-558 (oder 583) bzw. 09131/976288
E-Mail: vrfreder@ewf.uni-erlangen.de
 

Didaktik der Chemie gez. AOR Walter Wagner (Universität Bayreuth)

Didaktik d. deutschen Sprache u. Literatur gez. Prof. Dr. Frederking (Universität Erlangen-Nürnberg) und Prof. Dr. Karla Müller (Universität Passau)

Didaktik des Englischen gez. Dr. Josef Meier (Univ. Augsburg; i.V. von Prof. Dr. Konrad Schröder)

Didaktik der Geographie gez. Prof. Dr. Dieter Böhn (Universität Würzburg) und Prof. Dr. Ingrid Hemmer (Universität Eichstätt)

Didaktik der Geschichte gez. Prof. Dr. Heitzer (Universität Passau) und Prof. Dr. Elisabeth Erdmann (Universität Erlangen-Nürn berg)

Kunstpädagogik gez. Prof. Dr. Rainer Goetz (Universität Würzburg)

Didaktik der Mathematik gez. Prof. Dr. Thomas Weth (Universität Erlangen- Nürnberg)

Musikpädagogik gez. AOR Dr. Georg Brunner (Universität Regensburg)

Didaktik der Religion (ev.) gez. Prof. Dr. Johannes Lähnemann (Universität Erlangen-Nürnberg) und AOR Dr. Werner Haussmann (Universität Erlangen-Nürnberg)

Didaktik der Religion (kath.) gez. Prof. Dr. Georg Langenhorst (Universität Erlangen-Nürnberg)

Didaktik der Physik gez. Prof. Dr. Helmut Hilscher (Universität Augsburg)

Didaktik des Sports gez. Akad. Dir. Dr. Klaus Lutter  (Universität Eichstätt).

 

 

 
 

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