Stand: 16.06.17


Begriffssystem zur Fachdidaktik Chemie

U - Z


GW Begriff

Definition

  überfachlich Allg.: über das eigene Fachgebiet hinausreichend.

Gegenpol zum Fachunterricht. Enthält noch die Feindifferenzierung von fachübergreifend über fächerverbindend bis integrativ. [2]

Manchmal stark vereinfacht synonym zu fächerübergreifend verwendet [26].

Zum Verhältnis zu Fachunterricht im Verlauf der weiterführenden Bildung siehe Animation (ppt, 143k).

  Übungsprogramme Software aus der Gruppe der Lernprogramme. Meistens einfachere Programme, mit denen Lernende gerade erworbene Fähigkeiten festigen und einüben können.
  • Technik: Software für verschiedene Betriebssysteme. Liefert einfache Rückmeldung nach "richtig" und "falsch".
  • Einsatz: am didaktischen Orten Festigen.
  • Vorteile: Übungen sind stets und in großer Zahl verfügbar.
  • Gefahren: wenig motivierend.

Bsp.:

  • Richtigstellen von (Redox-)Gleichungen
  • Darstellung kovalenter Moleküle mit Hilfe der Skelett-Schreibweise
GB: learnware, drill-and-practice-software
+ Umfragesystem Modernes Unterrichtsmedium aus der Gruppe der selbstgestalteten Medien.
  • Technik: Gerät mit Eingabetasten ("keypad" mit Zahlen, manche Geräte Buchstaben), das die Eingabe an einen Empfänger sendet, der wiederum an einen Computer mit Auswertesoftware angeschlossen ist. Manche Geräte besitzen ein Display zur Anzeige der Antwortoptionen. Fragen werden mit Hilfe einer Software selbst erstellt und über den Computer und Datenprojektor angezeigt. Auch als Apps für Smartphones verfügbar.
  • Einsatz: am didaktischen Orten Erfolgskontrolle oder Einstieg.
  • Vorteile: Schnelle Rückmeldung einer großen Zahl von Lernenden an den Lehrenden, einfache Auswertung.
  • Gefahren: keine bekannt.

Bsp.:

  • ActivExpression (Promethean), Response (SMART) mit mehrzeiliger Anzeige (2013)
  • ActiVote (Promethean), PowerVote (PowerVote) ohne Anzeige (2013)

Syn.: Abstimmsystem, clicker, TED-System

GB: voting system, clickers

+ Unterricht

Organisierte Form der Erziehung. [5] Bedeutendste Möglichkeit, Unterricht zu organisieren, ist die Wahl einer Unterrichtsmethode.

Wir fassen Unterricht als einen Kommunikationsprozess im didaktischen Dreieck auf, bei dem sich Lehrende mit Lernenden in wechselnder Gewichtung über Inhalte austauschen.

GB: class (tuition wird nur im Sinne von Unterrichtskosten u.ä. verwendet)

  unterrichten

Jegliche planmäßige Tätigkeit innerhalb der Ausbildung mit dem Ziel, den Lernprozess zu unterstützen.

Der Begriff wird im Sprachgebrauch nur auf  die Tätigkeit von Lehrenden an Schulen (Berufsschulen, allgemeinbildende Schulen) angewendet, nicht aber auf die betriebliche ("ausbilden") oder universitäre ("lehren") Ausbildungstätigkeit.

Siehe auch lehren.

GB: to teach

  Unterrichts-

Betrachtungsweise des Unterrichtsgeschehens aus der Außensicht, z.B. der Didaktik. [4] S.17

+ Unterrichtseinheit

Syn.: Lektion. Eine kleinste Planungseinheit für Unterricht, in der eine klar begrenzte Zielsetzung verfolgt wird und die den Lehrprozess zu einem (vorläufigen) Abschluss bringt. [4] S. 97 Sie kann den Zeitraum von ca. 15 Minuten bis zu mehreren Unterrichtsstunden umfassen. [3] In der Regel sollte nur ein kognitives Lehrziel bearbeitet und die Einheit durch die entsprechende (positiv verlaufene) Erfolgskontrolle abgeschlossen werden.

GB: module

+ Unterrichtsentwurf Ausführliche, schriftliche Vorbereitung einer Unterrichtsstunde, die vorwiegend in Prüfungs- und Ausbildungssituationen (etwa Lehrproben) Verwendung findet. Sie gibt Auskunft über alle unterrichtsrelevanten Überlegungen und Entscheidungen nach den Kriterien der didaktischen Analyse. Der Begriff bzw. das damit verbundene Anforderungsniveau sollten in detaillierter Ausprägung der 2. Phase der Lehrerbildung vorbehalten bleiben. [3]

Der Begriff Stundenbild sollte davon unterschieden werden.

GB: detailed lesson plan

+ Unterrichtsform

Beschreibt die Rollenverteilung zwischen den Akteuren des Unterrichtsgeschehens (Lehrende, Lernende) in der Auseinandersetzung mit dem Inhalt im didaktischen Dreieck.

Man unterscheidet die Aspekte:

Syn.: (bestimmtes Verständnis von) "Methode", Unterrichtsorganisation, Organisationsform. [4]

  Unterrichtsforschung

Wissenschaftlich reflektierte Suche nach objektivierbaren Aussagen über alle Bereiche des Unterrichts. [4n]

GB: education research

+ Unterrichtsgang

Einen Unterrichtsgang unternehmen Lehrende mit ihren Lernenden, wenn sie das Klassenzimmer oder den Fachraum mit einem Unterrichtsziel verlassen.

Bsp.: Der Unterrichtsgang kann

  • sich in der Nähe befinden und sehr kurz sein (Heizkeller oder Demineralisations-Anlage der Schule...)
  • sich über einen Schultag erstrecken und eine Fahrt erfordern (Betrieb, Universität in der Nachbarstadt) oder
  • die Ausmaße einer mehrtägigen Exkursion, auch ins benachbarte Ausland, annehmen (Besuch von mehreren Chemiebetrieben oder Schulpartnerschaften).

Der Unterrichtsgang als Unterrichtsmedium: die Tätigkeit an sich, den Unterrichtsraum mit einem anderen Lernort zu tauschen, ist in dieser Einfachheit ein  Unterrichtsmedium aus der Gruppe der selbstgestalteten Medien. Information und didaktische Intention stammen ausschließlich vom Lehrenden, der Informationsträger ist meistens derselbe wie bei der Lehrersprache und Geräte sind nicht weiter erforderlich.

  • Technik: Statt technischer Geräte ist hier ein hohes Maß an organisatorischer Vorarbeit erforderlich (Genehmigung durch Schulleitung, Benachrichtigung von Eltern, Organisation von Fahrgelegenheit usw.)
  • Einsatz: Bei besonders wichtigen Lehrzielen, die der affektiven Unterstützung durch Realbegegnung erfordern oder bei im Lehrplan eigens ausgewiesenen Besuchsaktivitäten.
  • Vorteile: Realbegegnung.
  • Probleme: Sehr hoher zeitlicher Aufwand, hohe Sicherheitsanforderungen.

Der Unterrichtsgang als Unterrichtsverfahren: das Medium kann durch Ergänzung mit mehreren Artikulationsstufen zum Verfahren ausgebaut werden, z.B. im Rahmen eines Projektes. Lernende werden z.B. an der Auswahl des Zieles beteiligt, sie bereiten über Referate Grundlagen vor, Beobachtungsaufgaben werden verteilt, Betriebsangehörige interviewt, die Ergebnisse im Unterricht nachbereitet usw.

Syn.: Lerngang [24]. Gelegentlich im Sinne von Stundenbild verwendet - wen wundert's, wenn sich Studenten und Referendare nicht mehr auskennen.

Siehe auch Beziehung des Begriffes zu Exkursion und Betriebserkundung.

  Unterrichtskonzeption Syn.: Stundenbild, Unterrichtssequenz, -skizze.

Der Begriff sollte vermieden werden, da er mit Konzeption kollidiert.

  Unterrichtsmedien Klasse von Medien, die Unterrichtszwecken dient. Spricht man im Zusammenhang mit Schule und Unterricht von "Medien", sind stets Unterrichtsmedien gemeint.

Unterrichtsmedien umfassen die Unterklassen:

  • Primärerfahrungen (aus Sicht der Lernenden). Hierher gehört das chemische Experiment im Sinne von Unterrichtsexperiment (nicht das wissenschaftliche Experiment), wobei die Lernenden mit Hilfe originaler chemischer Stoffe und Apparaturen Fragen an die Natur stellen und Antworten interpretieren; sowie
  • Sekundärerfahrungen, also solche, die durch den Lehrenden oder Fremdautoren mit dem Zweck des Lehrens aufbereitet oder in absichtlicher Auswahl bereit gestellt wurden.

Sekundärerfahrungen teilen wir in drei Gruppen ein, je nachdem, wie viel Anteil der Lehrende gegenüber Fremdautoren an ihrem Zustandekommen hat:

  1. vorwiegend selbst gestaltete Unterrichtsmedien (Lehrersprache, Tafel, Schülerheft, "Computer", Arbeitstransparent und Arbeitsblatt, interaktive Elemente, Unterrichtsgang und Experten) mit überwiegend eigener Autorenschaft des Lehrenden; dabei kann das Medium optimal an die Rahmenbedingungen (Jahrgangsstufe, Klasse, Thema, gewähltes Unterrichtsverfahren, didaktischer Ort, angesprochenes Individuum...) angepasst werden.
  2. vorwiegend fremd gestaltete Unterrichtsmedien ("Computer", Modelle, Schulbuch, statische und bewegte Bilder) mit überwiegend fremder Autorenschaft, die nicht direkt am Unterrichtsgeschehen beteiligt ist; hier muss sich der Lehrende mit der fremden Konzeption, didaktischen Absicht, Begriffswahl, Auswahl von Beispielen und Bildmaterial usw. auseinandersetzen und die Eignung für die aktuelle Unterrichtssituation prüfen.
  3. geformte Materialien, die im Wesentlichen ohne Einwirkung von Autoren auskommen (Materialien, Montessori-Material); eine bestimmte Auswahl der Materialien aus ihrer Gesamtheit wird zwar durch den Lehrenden getroffen (Verfügbarkeit, Eignung für die Altersstufe, Sicherheitskriterien), wirkt aber im Folgenden autark, ohne den Lehrenden.

Die Trennung ist zwar hilfreich, aber nicht immer scharf: eine Folie oder ein Modell kann vollkommen selbst gestaltet sein, aber auch, falls käuflich erworben, als fremd gestaltet bezeichnet werden.

Visualisierung und Übersicht (pptx)

Die Bezeichnung von Unterrichtsmedien ist, weil historisch gewachsen, uneinheitlich: teilweise stammt sie von benötigten Geräten (Computer), teilweise von Informationsträgern (Tafel, Arbeitstransparent). Um allgemeine Verständlichkeit zu gewährleisten, behalten wir die historischen Bezeichnungen weitgehend bei. Wir beschreiben Unterrichtsmedien stets nach:

  1. Information, d.h. Herkunft der Basisinformation im kybernetischen Sinn;
  2. Didaktischer Intention, d.h. des Lehrzweckes, zu dem die Information aufbereitet wurde
  3. Informationsträger
  4. Gerät

Nicht jedes dieser Merkmale muss stets vorhanden sein.

GB: teaching media

+ Unterrichtsmethode

Eine Unterrichtsmethode (UM) beschreibt einen überlegten, begründeten Weg, wie der Lehrende den Lernenden von seinem aktuellen Wissensstand zum angestrebten Unterrichtsziel bringen möchte.

Unterrichtsmethoden können auf einer Skala von offen bis geschlossen jeden Wert annehmen. Sie stellen das Zentrum planerischer Bemühungen von Lehrenden bei der Aufbereitung und Umsetzung von Lehrzielen dar.

Syn.: Unterrichtsverfahren [6].

Ausführlicheres siehe unter Methode.

  Unterrichtsmittel

Syn.: Medien. [4]

+ Unterrichtsplanung

a. Im engeren Sinn: Planungsarbeit an einzelnen Unterrichtseinheiten (Unterrichtsstunde, -doppelstunde, Tagesplan, Wochenplan, mehrtägiges Projekt). Ergebnis ist, je nach Zweck, ein Stundenbild oder ein Unterrichtsentwurf.

Diese Arbeit sollte weniger prozessbestimmend als prozessbegleitend sein, weil ersteres starre Handlungsgrenzen verursacht, zweiteres hingegen durch Lernende oder Unvorhergesehenes modifizierbare Scripte liefert. [48]

Modelle der Unterrichtsplanung:

  • Bildungstheoretischer Ansatz: Didaktische Analyse.
  • Lerntheoretischer Ansatz: wertfreie Verknüpfung von Inhalt, Methode, und Medien zu einer Unterrichtsskizze.
  • Lernzielorientierter Ansatz: operationalisierte Zielformulierung.
  • Kritisch-konstruktiver Ansatz: mit politisch-gesellschaftlichem und ideologiekritischem Anspruch.
  • Offene Planung: Beteiligung der Lernenden an der Unterrichtsplanung in unterschiedlichem Ausmaß. [nach 14]
  • PARU, das Planungs- und Analysenraster für den Unterricht, eine Fixierungshilfe. [48]

Letzteres wird in Bayern bevorzugt, weil es sicher stellt, dass alle Perspektiven des Didaktischen Dreiecks bei der Planung Berücksichtigung finden: die der Inhalte, die des Lehrenden UND die der Lernenden. Genauso ist sicher gestellt, dass sich das gewählte Unterrichtsverfahren zwischen die Angabe der Lehrziele und deren Kontrolle einfügt.

Visualisierung Planungs-Prozess (pptx)


Bsp. für einen möglichen Planungsverlauf

Ergebnis ist ein Stundenbild oder ein Unterrichtsentwurf für jeweils eine Unterrichtseinheit.

b. Im weiteren Sinn: Längerfristige Entwurfsarbeit an einem Lehrgang. Ergebnis ist z.B. ein Verteilungsplan für die Inhalte des Lehrgangs über den gesamten Zeitraum (z.B. ein Jahr, Semester) oder eine andere, umfassende Zeiteinheit (Halbjahr, Monat, Woche). [nach 14]

Typische Aktivitäten sind z.B.:

  • Erstellung von Grobplanungen mit Zeitraster,
  • Verteilung von Übungen,
  • Projektentwurf,
  • Umsetzung von Richt- und Grobzielen...

Nicht zu verwechseln mit Unterrichtsvorbereitung.

GB: to do lesson planning

  Unterrichtssituation

Ein in sich sinnvoller Teilabschnitt des Unterrichts, der von anderen deutlich absetzbar ist, eine gewisse Zeit andauert und durch eine unveränderte Konstellation von Einzelfaktoren und äußeren Bedingungen gekennzeichnet ist. [4] S.94

  Unterrichtsskizze Syn.: Stundenbild, Unterrichtssequenz, -konzeption.
  Unterrichtssequenz Syn.: Stundenbild, Unterrichtsskizze, -konzeption.
+ Unterrichtsstunde

Eine zeitliche Planungseinheit für Unterricht, die in der Regel 45 Minuten, bei Doppelstunden auch 90 Minuten abdeckt. Sie kann identisch sein mit einer Unterrichtseinheit, sofern sie gleichzeitig auch inhaltlich eine Einheit darstellt.

GB: lesson, (gelegentlich: period)

+ Unterrichtsverfahren

Eine Unterrichtsverfahren (= ~methode UM) beschreibt einen überlegten, begründeten Weg, wie der Lehrende den Lernenden von seinem aktuellen Wissensstand zum angestrebten Unterrichtsziel bringen möchte.

Syn.: (Unterrichts)methode. Siehe auch: Methode.

+ Unterrichtsvorbereitung

Kurzfristige Maßnahmen, die auf unmittelbar bevorstehende Unterrichtseinheiten ausgerichtet sind. [nach 14]

Für den Chemieunterricht typische Aktivitäten sind z.B.:

  • Bereitstellung von Experimentiermaterial,
  • Überprüfung von Experimenten,
  • Fertigung von Medien (Arbeitsblatt, Arbeitstransparent, Applikation...),
  • Realisation von Fein- und Teilzielen...

Nicht zu verwechseln mit Unterrichtsplanung.

GB: lesson preparation

  Unterrichtsziel

Oberbegriff für Lernziel und Lehrziel in "Außensicht". [4] S. 97

GB: education objective / goal

  Verfahrensorientierte UM Eine Unterrichtsmethode, die sich an der Wissenschaftstheorie orientiert, am "Verfahren" des Naturwissenschaftlers, wie er zu seinen Erkenntnissen kommt.

Sie wurde noch nicht mit Hilfe des Artikulationsmodells beschrieben und ist von der forschenden UM wahrscheinlich nur anhand der Lehrziele und eventuell einer Stufe Metakognition (siehe SVO-Methode) zu unterscheiden. Mögliche Ziele wären:

  • in der Naturwissenschaft Chemie können gleichzeitig verschiedene Theorien existieren, die sich ggf. später ablösen (z.B. Atomhypothesen);
  • Aussagen werden in der Chemie durch logisches Überlegen (Hypothesenbildung) und Experimentieren (Verifizierung) gewonnen (z.B. Benzolstruktur);
  • die induktive Art der Erkenntnisgewinnung dominiert in der Forschung (Erfahrung - Hypothese - Verifizierung/Falsifizierung...);
  • die Chemie abstrahiert allgemeine Gesetzmäßigkeiten ausgehend von der belebten und unbelebten Umwelt.

GB: SAPA (science - a process approach)

+ Vernachlässigung Eine der Maßnahmen zur didaktischen Reduktion: durch Weglassen von Teilaspekten wird ein fachlicher Inhalt für einen bestimmten Lernendenkreis verständlich.
  Verteilungsplan

Syn.: Grobplan.

  Verstehen und Verständlichkeit Neues Zusammenfügen von subjektiv als bedeutsam eingeordneten Inhalten, die schon im deklarativen Gedächtnis vorhanden waren. Dies geschieht nach individuellen Kriterien und kann von Lehrenden nicht direkt beeinflusst werden.

Mögliche Maßnahmen zur indirekten Beeinflussung:

  • Fördern einer positiven Grundeinstellung zum Lernen,
  • Bemühung um Vertrauenswürdigkeit des Lehrenden und des Lernortes,
  • Steigerung des (inneren und äußeren) Belohnungswertes von Wissen und Leistung,
  • Fördern eines positiven emotionalen Zustandes der Lernenden (für einen bestimmten Inhalt).
  Verständnis Zweite von 6 kognitiven Denkstufen nach der Bloomschen Taxonomie.
  Versuch Wir verwenden den Begriff Syn. Experiment.
+ Visualisierung Im weitesten Sinn: Übersetzung einer Vorstellung bzw. eines Gedankenganges (eines Lehrenden) in eine bildliche Darstellung [nach 68] mit dem Zweck, beim Empfänger (Lernenden) innere Bilder zu erzeugen. Mit bildlicher Darstellung sind u.a.
  • Bilder ("Fotos"),
  • Grafiken,
  • körpersprachliche Bemühungen,
  • materielle Modelle und
  • experimentelle Demonstrationen gemeint.

In diesem weiten Sinn wird Visualisierung in Zusammenhang mit (Chemie)Unterricht benötigt. Häufig wird auch ein engerer Sinn definiert, bei dem nur abstrakte Daten (Zahlen, selten sind auch Texte damit gemeint) in Grafiken umgesetzt werden (Visualisierung von Zahlenmaterial).

Syn.: Veranschaulichung

Visualisierung verläuft in zwei Schritten:

  1. einem kreativen Schritt, bei dem man nach einer visuellen Idee sucht (Ergebnis z.B. Experiment, Medium, Darstellungsart...) und
  2. die eigentliche Produktionsphase, die praktische Umsetzung der Idee zu einem Medium (z.B. Größe, Orientierung, Farben der Datengruppen bestimmen und es ggf. mit Hilfe einer Software auf einen Träger, Papier, Folie oder Datenspeicher bringen).[68]

Visualisierung ist nötig,

  • weil sie, richtig durchgeführt, zu einer Reduzierung der Datenmenge und -dichte führt,
  • weil eine übersichtliche Datenmenge schneller und gründlicher erfasst werden kann,
  • falls die Datenmenge groß ist, weil sie das Auge in für das Erfassen sinnvoller Weise führt,
  • weil bildliche Darstellungen über andere Wahrnehmungs- und Erkennungspfade im Gehirn (rechte Gehirnhälfte) ausgewertet werden als gelesene oder gehörte Daten, und
  • weil bildliche Darstellungen in der Summe überzeugender auf den Menschen als "Sehtier" wirken.

Visualisierungsmaßnahmen gehen von Fließtext aus und reichen von einfachster Gliederung in Absätze, Passagen mit Spiegelstrichaufzählung oder Nummerierung bis hin zum aufwändigeren Flussdiagramm oder der perfekten Zeichnung. Didaktische Absicht und Zielgruppe entscheiden, welche Ebene die angebrachte ist.

Tipp: Ein guter Vortrag enthält für alle 1-3 Minuten ein Bild. Vorsicht: bei übernommenen Bildern kennt man selten die Absichten des Bildautors (siehe statische Bilder).

GB: visualization

  vorfachlich Ungeordnete Vorkenntnisse aus dem Alltag, subjektive Theorien, nicht von fachsystematischen Regeln beeinflusstes "Alltagswissen". Stadium des Lernenden vor einem systematisierenden Unterricht.

Zum Verhältnis zu Fachunterricht im Verlauf der weiterführenden Bildung siehe Animation (ppt, 143k).

  Vorstellung In der Didaktik wird der Begriff in folgendem Sinn verwendet: (mehr oder weniger isoliertes) Wissen, das der Lernende vor institutionalisiertem Wissenserwerb schon besitzt, z.B. aus dem Alltag (also: Alltagsvorstellung) privater Unterhaltung oder aus Massenmedien. [nach 87] Es wird noch nicht unterschieden, ob dieses Wissen wissenschaftlich fundiert oder Fehlvorstellung ist.

Syn.: Präkonzept, Alltagsvorstellung, Schülervorstellung.

Zusammenhänge (pptx).

GB: preconception

  Vorwissen Wissen, das Lernende bis zum Zeitpunkt des aktuellen Unterrichts institutionalisiert erworben haben, z.B. in vorausgehenden Jahrgangsstufen.

Zusammenhänge (pptx).

GB: prior knowledge

  Webcast Akronym aus den englischen Begriffen "web" und "broadcast". Gemeint ist eine Programm-Darbietung im WWW in der Regel zu Lehrzwecken, die zunächst live sein, danach aber in der Regel weiter abgerufen werden kann. Interaktion zwischen Autor und Empfänger ist in der Regel nicht vorgesehen (siehe Webinar). Allerdings gibt es Anbieter, die wie bei einer Radiosendung Hörerfragen über unterschiedliche technische Zugänge zulassen.

Bsp.: manche Universitäten bieten Kurse über diesen Dienst an. [73]

GB: webcast

  Webinar Akronym aus den englischen Begriffen "web" und "seminar". Gemeint ist ein Lehrgang im WWW, der von einer realen Person geleitet wird und weltweit verstreute Teilnehmer fast beliebiger Anzahl haben kann, die am Bildschirm visualisierte Lektionen verfolgen und per Tastatur oder Tonkanal mit dem Leiter interagieren können.

Bsp.: Hersteller oder kommerzielle Anbieter bieten Kurse z.B. der Art "Umstieg auf PowerPoint 2010" an.

Syn.: Web-Konferenz, Live-Webcast, Live-E-Learning

Zu unterscheiden von Webcast.

GB: webinar

  Wissen Im schulischen Kontext: wissenschaftlich fundiertes, kontextflexibles, ziemlich objektives Fach-Wissen.

a. Man unterscheidet allgemein die Formen:

  • explizit: von Außen herangetragenes, gelehrtes Wissen;
  • implizit: unbewusst, etwas durch Nachahmung erworbenes, nicht ausdrücklich gelehrtes Wissen;
  • deklarativ: Kennen von Fakten, Definitionen, Vokabeln...; declarative knowledge.
  • prozedural: Beziehungen, und Zusammenhänge zwischen Fakten bekannt; procedural knowledge
  • episodisch: persönliche Ereignisse.

Zusammenstellung nach [5].

b. Nach einer anderen, für den Unterricht hilfreichen Systematik [84] kann man unterscheiden:

  • Faktenwissen ("Fakten ohne Nutzen", "träges Wissen"; z.B.: "Säuren sind Stoffe, die Protonen abgeben können").
  • Kondition (Wissen über die Bedingungen der Nutzung; z.B.: "Ohne einen Akzeptor für die Protonen wie z.B. Wasser kann man nicht feststellen, ob ein Stoff eine Säure ist").
  • Funktion (Wissen vom Ziel der Nutzung; z.B. "Um den pH-Wert von Citronensäure zu bestimmen muss das pH-Papier angefeuchtet werden").

c. Erste von 6 kognitiven Denkstufen nach der Bloomschen Taxonomie.

Siehe auch Grundwissen und Vorwissen.

Zusammenhänge (pptx).

GB: knowledge

  Wissenschafts-
 orientierung
Ziel: Die Lernenden sollen erkennen, dass Inhalte die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit sind.
  Wissenschaftstheorie Liefert aus der Rekonstruktion des Zustandekommens von Erkenntnissen Methoden zum richtigen wissenschaftlichen Arbeiten. [6]

GB: philosophy of science

  WWW World Wide Web. Einer der Dienste des Internet, der umgangssprachlich als "Internet" bezeichnet wird. Man erkennt ihn in der URL an der Bezeichnung des Protokolls "http" oder "https" u.ä.

GB: world wide web

+ Zielebenen
  • Leitziele: Oberste pädagogische Aufgaben und Absichten; bezogen auf den Fachunterricht sind dies Zielsetzungen, die seine grundsätzliche Bedeutung beschreiben, aber nicht allein auf ihn beschränkt sind.
  • Richtziele: Fachspezifische Ziele, die die wesentlichen Aufgaben des Fachunterrichts beschreiben.
  • Grobziele: thematisch differenzierte Richtziele; sie grenzen Themenkreise des Lehrplans bzw. Unterrichtseinheiten ab und benennen inhaltliche und didaktische Schwerpunkte.
  • Feinziele: konkretisieren die Grobziele und beschreiben so die einzelnen Lernergebnisse in Form feststellbarer Handlungen der Lernenden ("operationalisiert"). [3]
  • Teilziele: Durch diesen - älteren und entbehrlichen - Begriff werden die Teilinhalte einer Unterrichtsstunde in eine zeitliche Abfolge gebracht, so dass die thematische Strukturierung, z.B. in der Erarbeitungsphase, ersichtlich wird.

GB: target objectives

  Zielkontrolle Lern(ziel)kontrolle, Lehr(ziel)kontrolle.

Eigentlich unlogisch: kontrollieren kann man nicht Ziele, sondern nur Ergebnisse [4]. Wegen der (unschädlichen) weiten Verbreitung wird der Begriff gelegentlich dennoch verwendet. Er sollte durch Erfolgskontrolle ersetzt werden.

Legende:
[n]   Quellenangabe, wobei n = Laufende Nummer aus dem Quellenverzeichnis.
fett Hervorhebungen sowie, bei Verbreitung mehrerer Synonyme, der vom Autorenkreis bevorzugte.

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E-Mail an: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de