Stand: 12.04.16


Begriffssystem zur Fachdidaktik Chemie

I - L


GW Begriff

Definition

+ ideell(e Modelle) Gruppe von Modellen, die prinzipiell nicht anfassbare Modelle beinhaltet. Sie existieren nur als Vorstellung und müssen mittels unterschiedlicher Symbolik kommuniziert werden.

Wir zählen hierzu:

  • mathematisch-logische (umfassen Darstellungen mit mathematischer Symbolik, Verknüpfungen von Parametern),
  • symbolische (umfassen chemiespezifische Symbolik, z.B. Elementsymbole, Formelschreibweisen),
  • bildliche Modelle (Symbole sind in ihrer Form stark dem Realobjekt angenähert; Legende ist nicht erforderlich; z.B. Kugel für Atom) und
  • Simulationen.

Visualisierung, pptx

+ Impuls

Ein Lehrgriff. Oberbegriff für alle beabsichtigten, unterrichtsbezogenen Verhaltensäußerungen Lehrender oder Lernender, die ein bestimmtes Lernverhalten auslösen sollen [4] S.21. Man kann Haupt- oder Leitimpuls von Neben- oder Hilfsimpuls, unterscheiden sowie schriftliche von verbalen Formen. Die Intensität kann von einer Einzelgeste (z.B. stummer Impuls) bis zu einem Referat reichen, einschließlich gezielt eingesetzter Medien. [nach 24]

Anmerkung: Modern ist der "stumme" Impuls (Verwendung von Gesten, mimische Bewegungen, Schweigen und Warten, jedenfalls ohne sprachliche Aufforderung). Die Wirksamkeit ist umstritten. [4] S.22

+ Induktion Eine Beobachtung wird auf Bekanntes, Allgemeines zurückgeführt, vom Einzelnen wird auf das allgemein Geltende geschlossen. Man sucht nach Regeln.

Visualisierung

GB: inductive design

  Information Im kybernetischen Sinn: der ohne Vorkenntnisse erfassbare Anteil des Inhaltes. Information ist immateriell und kann mit der Software des Computers verglichen werden. Informationen sind Aussagen über die reale Welt, mehr als Vermutung. Sie stammt von einem Autor und wurde zum Zweck der Übermittlung oder Aneignung in eine geeignete Form gebracht [nach 70]. Sie wird beim Empfänger eine Reaktion verursachen, je nachdem, wie er sie klassifizieren kann: bekannt / unbekannt, bedeutend / unbedeutend, richtig / falsch...

GB: information

  Informations-medien Klasse von Medien, die sich von den Unterrichtsmedien dadurch abgrenzen lässt, dass sie in der Regel nicht direkt für Unterrichtszwecke eingesetzt werden kann.
  • Technik: Herkömmliche Papierausgaben und i.d.R. Online-Ausgaben mit Zusatzleistungen, teils mit wertvollen Archiven.
  • Einsatz: Nur nach Einweisung oder mit Betreuung durch den Lehrenden empfohlen. Informationsphase in offenen Unterrichtsphasen oder (selten) Hausaufgaben.
  • Vorteile: Authentizität.
  • Probleme: Siehe unten.

Beispiele und Grund für Einschränkung:

  • Primärliteratur (ggf. fremdsprachlich oder vom Fachniveau nicht angemessen); z.B. Hydrogen made metallic. Nature 479, 448 (24 November 2011) doi:10.1038/479448d.
  • Sekundärliteratur (ggf. vom Fachniveau nicht angemessen); z.B. Zewail, A.H.: Bewegte Bilder aus der Nanowelt. Spektrum der Wissenschaften, Januar 2011, 76-85.
  • Datenbanken (kostenpflichtig und/oder schwierig zu bedienen); z.B. World Wide Protein Data Bank, http://www.wwpdb.org/
  • Fachlexika (kostenpflichtig, Verfügbarkeit); z.B. Römpp Lexikon Chemie, auch online: http://www.roempp.com/prod/

GB: information media

+ Inhalt Fachspezifische und nicht fachspezifische Aussagen, die gelehrt und gelernt werden.

Syn. (veraltet): Gegenstand.

GB: content (i.S.v. unmittelbarer, detaillierter Inhalt),
        topic (i.S.v. übergeordneter, zusammengefasster Inhalt)

  Instruktivismus Man geht davon aus, dass es eine objektive Welt gibt, die man wahrnehmen kann und die jeder mehr oder weniger gleich wahr nimmt. Die Rolle des Lehrenden ist die einer Person mit Erfahrungsvorsprung. Er teilt den Lernenden mit, wie die Welt ist bzw. wie man sie wahrnehmen muss.

Im didaktischen Dreieck: Lehrende informieren Lernende über jene Inhalte, die diese verinnerlichen sollen.

Instruktion steht nicht notwendigerweise im Gegensatz zu Konstruktion (Konstruktivismus), sondern ergänzt sie.

  integrativer Unterricht

Lernen an komplexen Problemen erfolgt unter Aufgabe der Fachstrukturen traditioneller Einzelfächer. [2]

Gegenteil: fachlicher Unterricht.

GB: ~ cross curriculum teaching

  Intelligenz Nachdem sich Intelligenz weitgehend einer definitorischen Beschreibung entzieht, seien die 8 Intelligenzbereiche nach H. Gardner nur aufgelistet:
  1. logisch-mathematisch (Probleme logisch analysieren, mathematische Operationen durchführen und wissenschaftliche Fragen untersuchen)
  2. bildlich-räumlich (theoretischer und praktischer Sinn für die Strukturen großer Räume sowie eng begrenzter Raumfelder)
  3. körperlich-kinästhetisch (Körper und einzelne Körperteile zur Problemlösung oder zur Gestaltung von Produkten einsetzen)
  4. sprachlich-linguistisch (gesprochene und geschriebene Sprache)
  5. musikalisch-rhythmisch (Begabung zum Musizieren, Komponieren und Sinn für musikalische Prinzipien)
  6. naturalistisch (Lebendiges beobachten, unterscheiden und erkennen, Sensibilität für Naturphänomene entwickeln)
  7. interpersonal (=sozial) (Fähigkeit, Absichten, Motive und Wünsche anderer Menschen zu verstehen und mit ihnen zu kooperieren)
  8. intrapersonal (die Fähigkeit, sich selbst und andere zu verstehen, ein lebensgerechtes Bild der eigenen Persönlichkeit zu entwickeln, erkennen und dieses Wissen im Alltag zu nutzen) [nach 51]

GB: intelligence

+ Intensitätsgrad Beschreibung unterschiedlicher Tiefe der Beherrschung von Anforderungsstufen: vertieftes Verständnis, sichere Beherrschung... [2] S. 141

GB: -

+ interaktiv Wechselseitige (!) Kommunikation zwischen Personen (Soziologie) oder Person(en) und Computer (Kommunikations-wissenschaften), wobei jeweils beide Kommunikationspartner unterschiedliche Wahlmöglichkeiten zur Verfügung haben müssen. [nach 77] Dies ist bei linearer Hypertext-Navigation nicht der Fall.

GB: interactive

+ interaktive Elemente Untergruppe von modernen Unterrichtsmedien aus der Gruppe der vorwiegend selbst gestalteten. Wir zählen dazu zur Zeit die interaktive Tafel (die gleichzeitig zur Untergruppe Tafeln gehört), und die Umfragesysteme.

GB: interactive media

+ interaktive Tafel Vorwiegend selbst gestaltetes Unterrichtsmedium aus der Untergruppe der Tafeln, bei dem sich die Grenzen zur Fremdgestaltung verwischen, wenn interaktive Vorlagen (Programme) von Fremdautoren übernommen werden (siehe auch Computer).
  • Technik: weiße Fläche aus unterschiedlichen Materialien, von der die Berührung durch Finger oder spezielle Stifte aufgenommen und an eine Software an einem Computer übertragen wird. Der Computer ist mit einem Datenprojektor verbunden. Die Software setzt Berührungsinformation in Klick, Linien oder Bewegungstrajektorien von Objekten um.
  • Einsatz: frontal positioniert für lehrer- oder schülerzentrierten Unterricht zu Zwecken, die über die der Kreidetafel hinaus gehen.
  • Vorteile: kein Kreidestaub, keine inverse Kontrastierung, keine Flüchtigkeit, da Ergebnisse gespeichert werden können, daher auch Potential für zukünftigen Laptop-Unterricht; interaktive Anwendungen möglich: Zuordnung, Drehen, zur Deckung bringen, Strukturierung...
  • Probleme: Drei erforderliche Geräte erhöhen die technische Anfälligkeit; bei Verwendung herkömmlicher Projektoren (nicht Ultrakurzdistanz-Projektoren) Schattenwurf durch den Bedienenden.
  • Tipps: es finden sich im WWW zunehmend fertige Anwendungen, die übernommen und/oder für den persönlichen Bedarf angepasst werden können.

Fälschlicherweise werden interaktive Tafeln gerne als "whiteboard" bezeichnet, vermutlich weil es auch weiß ist.


Rechts und links sind whiteboard-Flügel zu erkennen, in der Mitte ein interaktive Tafel.

GB: interactive (white)board

+ Internet

Medium aus der Klasse der Informationsmedien. Aus unterrichtlicher Sicht schwerlich als Unterrichtsmedium auffassbar, eher eine Plattform, auf der viele Formen von Unterrichtsmedien angeboten werden (statische und bewegte Bilder, Arbeitsblätter, ...). Soziale Medien und manche Online-Anwendungen (Präsentations-Plugins) der letzten Jahre verwischen jegliche Grenzen.

Der korrekten Definition (Gesamtheit aller Computer, die Daten nach dem Standard TCP/IP austauschen können) steht die verbreitete Bezeichnung nur eines Internet-Dienstes (des WWW) als "Internet" gegenüber. Dienste sind z.B.:

  • das World Wide Web (WWW)
  • E-Mail
  • VoIP
  • Chat
  • icq
  • ftp
  • eine Reihe von sozialen Medien (auch als WWW 2.0 bezeichnet)

GB: internet

+ Jahrgangsstufe Gesamtheit der Lernenden gleichen Alters. Die Bezeichnung wird mindestens in den bayerischen Lehrplänen verwendet.

Anmerkung 1: Lehrgänge und Lehrpläne werden für Jahrgangsstufen, nicht für Klassen, konzipiert.

Anmerkung 2: Umgangssprachlich sind synonym, regional unterschiedlich verbreitet, in Gebrauch:

  • "10. Klassenstufe",
  • "10. Klasse",
  • "Klasse 10",
  • "die 10" (Lehrerzimmerjargon)...

GB: stages (Hinweis: im britischen Schulsystem sind die Lernenden bis zum Alter von 16 Jahren in je 2-3 Jgst. zu den key stages 1-4 zusammengefasst. Für diese key stages sind fachspezifische Lehrpläne curriculum und  national standards formuliert. Nach dem Abschluss GCSE heißt eine weitere zweijährige Stufe inoffiziell post-16 und führt zum Abschluss A-level.)

  Kausalität Ausgangsfrage: Warum geschieht etwas (Frage nach der Ursache)? [7] Die Antwort erhält man nach Berücksichtigung der Komplexität kausalanalytischen Denkens.
  Klasse Gesamtheit der für längere Zeit zu einer organisatorischen Einheit zusammengefassten und meist in einem gemeinsamen Raum unterrichteten Lernenden, die in der heutigen Schule oft, aber nicht notwendigerweise, gleichen Alters sind. [4] S. 72ff

Zu unterscheiden von Jahrgangsstufe.

GB: form (=Klasse im formellen, administrativen Sinn; im britischen Schulsystem ist eine Klasse selten geschlossen zusammen; der Fachunterricht findet auf verschiedenen Niveaus in classes statt).

US: grade

  Klassenarbeit Sozialform: Gruppenarbeit, bei der die Gruppe Klassenstärke hat.

(Hinweis: regional als Synonym für Stegreifaufgabe verwendet).

+ kognitiv (Lehrziele)

Eine der drei psychischen Dimensionen von Lehrzielen; Lehrziele, die die Erkenntnis und Methoden ihrer Gewinnung betreffen.

GB: cognitive, mental skills, knowledge

+ Kompetenz(stufen) Im engen Sinn: Die bei Individuen verfügbaren oder von ihnen erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, Probleme zu lösen. [28]
Diese Probleme können allgemeiner oder fachlicher Art (dann: Fachkompetenz) sein.

Im weiteren Sinn werden auch Motivation, Wollen und soziale Fähigkeiten mit einbezogen [sinngemäß nach 28], wodurch sich der Begriff von dem der Intelligenz abhebt.

PISA unterscheidet 5 Kompetenzstufen [34]. Für Naturwissenschaften sind dies:

  1. Nominelles Wissen (Faktenwissen wiedergeben oder unter Verwendung von Alltagswissen Schlussfolgerungen ziehen und beurteilen)
  2. Funktionales Alltagswissen (naturwissenschaftliche Konzepte für Vorhersagen oder Erklärungen auf der Basis von Alltagswissen nutzen).
  3. Funktionales Wissen (Nutzung naturwissenschaftlicher Konzepte für Vorhersagen und Erklärungen über das Alltagswissen hinaus; Erkennen, welche Fragen naturwissenschaftlich beantwortet werden können; relevante von irrelevanten Daten unterscheiden).
  4. Konzeptuelles und prozedurales Verständnis (konzeptuelle und prozedurale naturwissenschaftliche Grundbildung, aber noch weniger komplex, systematisch und präzise als 5).
  5. Konzeptuelles und prozedurales Verständnis auf hohem Niveau (Vorhersagen oder Erklärungen auf der Basis konzeptueller Modelle geben und naturwissenschaftliche Untersuchungen oder Begründungen differenziert  analysieren und präzise kommunizieren).

Zusammenhänge, pptx.

Empfehlung: Zur praktischen Umsetzung im Unterricht ist ein fachspezifisches Kompetenzraster zu entwickeln, das die Lernenden kennen und sie so das Erreichen der jeweiligen Kompetenz zu ihrem Lernziel machen können.

GB: (media ~, science ~) literacy

+ Kompetenz-
bereiche
Die Kompetenzbereiche wurden im Zusammenhang mit Bildungsstandards bundesweit durch die Kultusministerkonferenz (KMK) für den mittleren Bildungsabschluss in den Naturwissenschaften (Beispiele aus dem Fach Chemie) festgelegt:
  • Fachwissen (chemisches Wissen anwenden), z.B. Begriffe, Gesetzmäßigkeiten kennen und Basiskonzepten zuordnen).
  • Erkenntnisgewinnung (Erkenntnismethoden der Chemie nutzen), z.B. selbständig chemische Experimente planen, durchführen, auswerten..., geeignete Modelle einsetzen).
  • Kommunikation (in Chemie über Chemie kommunizieren) z.B. beschreiben, veranschaulichen mit Hilfe von Fachsprache) und
  • Bewertung (über die Bezüge der Chemie reflektieren), z.B. beurteilen von Technikfolgen, unterschiedliche Perspektiven einnehmen). [42]

Zusammenhänge, pptx.

GB: -

  Kompetenz-entwicklung Stabile Veränderung von Kompetenzen.

GB: learning progressions

  Kompetenz-modelle

Bezugsrahmen für (individuelle) Kompetenzentwicklung.

+ Kompetenzraster ...ist ein Hilfsmittel im kompetenzorientierten, individualisierenden Unterricht (z.B. Wochenplan-Arbeit). Es beschreibt den Kompetenzzuwachs in Schritten nach fachspezifischen Schwierigkeitsstufen (in Chemie z.B. Anforderungsbereichen oder PISA-Stufen) und erfüllt Funktionen für Lernende und Lehrende:
  • Lehrende einer Fachschaft erstellen i.d.R. das Raster gemeinsam und einigen sich über (Jahrgangsstufen-)Grenzen und Form.  Es dient der Differenzierung und dem Überblick über Anschlüsse und erleichtert die organisatorische Arbeit besonders dann, wenn mehrere Fächer ihre Kompetenzraster über gemeinsame Projekte in einer Jgst. (teilweise) verbinden.
  • Lernenden verfolgen ihren Kompetenzerwerb mit Hilfe des Rasters. Es dient vor allem erfahreneren Lernenden als Übersicht. Für jüngere Lernende sind weitere Lernhilfen erforderlich, z.B. Advance Organizer o.ä. Insgesamt muss die Orientierung der Lernenden z.B. noch über Lerntagebuch u.ä. gesichert werden.

Das Kompetenzraster dient als Übersicht über Bereiche, die Freiheitsgrade oder eben keine erlauben. Lehrende haben Pflicht- und Wahlkompetenzen, zeitlich gebundene und freie Themenbereiche definiert. Ferner können bei fachübergreifendem Arbeiten die Beiträge der einzelnen Fächer und/oder im differenzierenden Unterricht die Abschlussziele (Niveaus) (farblich) gekennzeichnet werden (z.B. Grund-, Erweitertes oder Zusatz-Niveau).

Bezüglich der Form kann das Kompetenzraster eine Matrix sein, muss es aber überhaupt nicht. Die Form für Lehrende kann sich von der, die für Lernende gedacht ist, erheblich unterscheiden, vor allem bei jungen Lernenden. Für den Primarbereich sind z.B. stark bildhafte Darstellungen in Gebrauch. Eine "Abhakliste" sollte, auch bei älteren Lernenden, vermieden werden.


Position des Kompetenzrasters als Lernhilfe im didaktischen Dreieck.

Zusammenhang als pptx.

Die Formulierung geschieht mit Hilfe von Operatoren und ist Ergebnis orientiert, z.B.:

  • Ich kenne vier verschiedene Sauerstoffsäuren und kann dafür die Molekülformel angeben (Jgst. 9, Anforderungsbereich I).
  • Ich kann begründen, warum eine Brönsted-Säure sauer reagiert (Jgst. 9, Anforderungsbereich II).
  • Ich kann ein Experiment entwickeln um heraus zu finden, ob es sich bei einem farblosen, kristallinen Stoff um eine Säure handelt (Jgst. 9, Anforderungsbereich III).

Bsp.: Ausschnitt aus einem Kompetenzraster "Didaktik der Chemie" für die Ausbildung in Phase I, Bereich "Unterrichtsmethoden", Kompetenzbereich Fachwissen (pdf).

Synonyme (mit ähnlicher Zielsetzung eingesetzte Hilfen): Lernraster, manchmal Lernplan.

Siehe auch Advance Organizer.

  methodische Komponenten Wir unterscheiden die Komponenten:
  1. Inhalt,
  2. Unterrichtsform,
  3. Lehrtechnik (Lehrervortrag, Unterrichtsgespräch, .... siehe auch [4]
  4. lernpsychologische Maßnahme und
  5. affektive Maßnahme.

Über methodische Komponenten muss beim planenden Lehrenden Klarheit herrschen, bevor er die Unterrichtsmethode wählt.

  Konstruktions-aufgabe Peterßen S. 165
  Konstruktivismus Im moderaten, wissensbasierten Sinn:

Man geht davon aus, dass es keine objektive Welt gibt. Jeder konstruiert sich seine subjektive Welt auf Grund seiner individuellen Erfahrungen. Die Rolle des Lehrers ist die eines Lernbegleiters, der hilft, nötige Erfahrungen zu machen. Lernen geschieht in unterschiedlichem Ausmaß autonom.

Im didaktischen Dreieck: Lernbegleiter bereiten für Lernpartner eine Umgebung vor, mit deren Hilfe diese möglichst vielfältige Erfahrungen mit Inhalten machen können und selbstgesteuert lernen.

Im konstruktivistischen Zusammenhang werden Begriffen aus dem instruktivistischen Unterricht, die mit dem Grund-Wort "Unterrichts-" beginnen, oft durch "Lern-" ersetzt. Bsp.: Unterrichtseinheit -> Lerneinheit; Unterrichtsmedium -> Lernmedium.

Konstruktion steht nicht im Gegensatz zu Instruktion (Instruktivismus), sondern ergänzt sie.

  Kontext Allgemein: Als Kontext (lateinisch con-textus »Zusammenhang«, Plural: „Kontexte“) wird ein Zusammenhang oder Umfeld beispielsweise eines Wortes oder einer Handlung bezeichnet.

Im Zusammenhang mit Unterricht und i.e.S.: fachliche Fragestellungen werden in einen Zusammenhang mit aktuellen und/oder lebensweltlichen Fragestellungen gestellt, damit sich auf der einen Seite Sachstrukturen besser erschließen lassen und auf der anderen Seite die Lernenden den Sinn des Erschließens verstehen. [sinngemäß aus 33]

Mit "Chemie im Kontext" wird eine Konzeption bezeichnet, die ab 1997 am IPN Kiel entwickelt wurde.

+ Konzeption, Konzepte Begründete Folge von Unterrichtsmethoden, die in der Regel nach der am häufigsten Vorkommenden benannt wird (Vorsicht: deshalb gibt es gleichlautende Bezeichnungen für Konzeptionen und Unterrichtsmethoden). Anwendung auf Lehrgänge.

Konzeptionen können sein:

Anwender bzw. Beschreiber von Konzeptionen legen eine oder mehrere der folgenden Bedingungen zugrunde:

  • ein bestimmtes Menschenbild,
  • eine bestimmte Auffassung vom Lernprozess,
  • eine bestimmte Auffassung vom Lehren,
  • eine bestimmte Auffassung über die Rolle von Schule etc.

Syn.: Skript, Konzept [24]

GB: instructional or teaching or education strategy, belief

  kooperatives Lernen

Sehr weitläufiger, unscharfer Begriff. Wir verstehen darunter:

a. im allgemeinsten, abstrakten Sinn: alle methodischen Maßnahmen, die geeignet sind, Lernende zu Zusammenarbeit während des Lernprozesses zu ermutigen. [65] formuliert dazu Schritte, die offensichtlich aus dem englischsprachigen Raum stammen und an Artikulation erinnern:

  1. "Think": individuelle Auseinandersetzung mit einer Aufgabe bzw. Anforderung;
  2. "Pair": Austausch im Partnerarbeit, wechselseitige Ergänzung, Kontrolle des eigenen Verständnisses im sicheren Kontakt mit dem Partner;
  3. "Square": eventuell Sicherung in der - immer noch schützenden - Vierer-Gruppe
  4. "Share": erst zum Schluss der Schritt in die Öffentlichkeit der Klasse, der Bericht, die Demonstration des Gelernten vor den (kritischen) Augen der ganzen Lerngruppe und des Lehrenden.

Beispiele:

  • reziprokes Lehren
  • Lernen durch Lehren (LdL)
  • Gruppenrecherche
  • Gruppenpuzzle ("jigsaw-Methode")
  • "strukturierte akademische Kontroverse" [64]

b. im konkreten Sinn: eine Gruppe von Methodenbausteinen, die als gemeinsames Ziel haben, Lernenden am konkreten Unterrichtsbeispiel Kooperation und Kommunikation abzuverlangen.

Siehe auch: Visualisierung Methodenkomplex

Syn.: soziales Lernen

GB: cooperative learning

  kreativer Prozess Auch kreative Prozesse ("kreatives Denken") lassen sich in Stufen beschreiben, wie Lehren und Lernen nach Unterrichtsmethoden (Artikulation). Das Vier-Phasen-Modell geht auf G. Wallas, 1926(!) zurück:
  1. Präliminarstadium (Vorbereitungsphase, Arbeiten am Problembewusstsein)
  2. Inkubationsphase (Phase ohne bewusste Konzentration auf das Problem, kreative Pause)
  3. Einsicht (Aha-Erlebnis, "Erleuchtung", Bewusst werden der neuen Idee, der neuen Verbindung)
  4. Logische Begründung (Bewertung auf Machbarkeit, Ausarbeitung, rückverfolgende Begründung)

[nach 82]

  Kugellager Methodenbaustein mit dem Charakter einer Unterrichtsmethode. Eine Variante des Expertenkongress, mehr siehe dort.
  Lebenswelt-orientierung Syn. Alltagsorientierung.
+ Lehr- Betrachtungsweise des Unterrichtsgeschehens aus Sicht des Lehrenden. [4] S.17
  Lehrbuch

Im allgemeinsten Sinn: Buch, das zum Zweck des Lehrens geschrieben wurde. Der Begriff umfasst alle Lehrformen (Schule, Universität, Selbststudium...).

Siehe auch Schülerbuch.

  Lehre

Der uneinheitliche Begriff bezeichnet zwei unterschiedliche Ausbildungssituationen:

  • die Ausbildung eines Lehrlings durch einen Handwerks- oder Industriemeister, oder
  • die Tätigkeit eines Hochschullehrers neben der Forschung ("Forschung und Lehre").

GB: tuition (i.S.v. Lehrbetrieb an der Universität oder Unterrichtskosten tuition fees verwendet).

  lehren

a. Prozess, durch den ein Individuum ein anderes in die Lage versetzt, etwas schneller zu lernen, ein Problem schneller und besser zu lösen, als es dies allein (...) könnte. [31]

b. Jegliche planmäßige Tätigkeit mit dem Ziel der Ausbildung.

Anmerkung: Lehren tun z.B.

  • Meister in Betrieben,
  • Lehrer in Schulen,
  • Hochschullehrer an Universitäten und Fachhochschulen.

Siehe auch unterrichten.

GB: to teach (egal ob an der Grundschule oder der Universität).

  Lehrer

Lehrer (Mz.) sind professionelle Erzieher.

Ihre Kernaufgaben sind:

  • gezielte und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltete Planung von Unterrichtssituationen,
  • Organisation und
  • Reflexion von Lehr-, Lern- und Kommunikationsprozessen sowie
  • ihre individuelle Bewertung und
  • systemische Evaluation. [16]

Zusammen mit Lernenden und Inhalten bilden Lehrende das didaktische Dreieck. [5] Nur Teile ihrer Aktionen können als Unterrichtsmedium aufgefasst werden, z.B. die Lehrersprache. Es ist stets ein grundlegender pädagogischer Fehler, sich als Lehrender auf die Vermittlung von Fakten zu beschränken (unidirektionale, einschichtige Kommunikation). Deshalb müssen Lehrende Fachleute für Kommunikation sein, d.h.

  • Kommunikation im Unterricht als Regelkreis gestalten, in dem der Kommunikationserfolg geprüft, ggf. gesichert wird, [nach 75] und
  • als weitere Schicht(en) affektive Komponenten wie Begeisterung, Faszination, Freude transportieren.

Syn.: Lehrende. In diesem Fall werden beide Synonyme als beide Geschlechter bezeichnender Begriff verwendet: Lehrende, wenn der Begriff allein steht, "Lehrer-" als Bestandteil zusammengesetzter, feststehender Begriffe (z.B. Lehrersprache).

Siehe auch: Lernbegleiter.

GB: teacher, educator (sehr allgemein), instructor (im beruflichen Bereich gängig, sonst eher negative Konnotation)

+ Lehrersprache Unterrichtsmedium aus der Gruppe der selbst gestalteten Medien. Sie umfasst die Verbal- und die Körpersprache. Information und didaktische Intention stammen allein vom Autor, Informationsträger ist sein Gehirn. Geräte (z.B. Verstärker, Videoprojektion) sind erst bei sehr großen Hörergruppen erforderlich.
  • (Vortrags)Technik: modulierte Stimme, dosierte Gestik, Blickkontakt, synchrone Mimik, spannender Aufbau, Zwiegespräche nur über eine begrenzte Zeit sind Elemente eines gelungenen Lehrervortrages.
  • Einsatz: an allen didaktischen Orten, z.B. Motivation, Darbietung, Erarbeitung, Zusammenfassung, Ausweitung, Wiederholung...
  • Vorteile: stets vorhanden, nicht von weiterer Technik abhängig, auch außerhalb des Klassenzimmers jederzeit einsetzbar.
  • Gefahren: individuelle Fehler (Füllwörter, Floskeln, breiter Dialekt, unangepasstes Sprachniveau...) oder Stimme (z.B. sehr hoch bei Männern oder sehr tief bei Frauen, Sprachfehler).
  • Tipps: Durch Sprachtraining lassen sich alle Gefahren meistern.

nach [6n]

GB: voice, speech, tongue

+ Lehrervortrag Als Lehrtechnik einzuordnende Bemühung des Lehrenden, zeitlich komprimiert an geeigneter Stelle einer Unterrichtsmethode (z.B. Artikulationsstufe Einführung oder Problemfindung) benötigte Informationen zu liefern. Dabei können durchaus Experimente, Medien (z.B. Folie) oder Aktionsformen (z.B. Lernende aufrufen) mit eingesetzt werden. Didaktische Absicht ist stets, benötigte Informationspakete oder Impulse für den Lernprozess (Impulsreferat) zu liefern, die den Unterricht vorwärts treiben. [nach 24]

GB: teacher led section (of teaching)

  lehrerzentriert Unterricht, der maßgeblich durch den Lehrenden geplant und durchgeführt wird. Er hat einen sehr hohen Anteil an der Aktivität beim Lehrprozess.

GB: instructor led training (ILT), teacher-focused education

  Lehrende

Im weitesten Sinn: "Die mit der Tätigkeit des Lehrens beschäftigten". Will man den Begriff gegenüber Lehrern abgrenzen, kann nur der professionelle Anspruch zur Unterscheidung herangezogen werden. Danach wären Meister und Wissenschaftler Lehrende, weil ihnen die pädagogische und didaktische Berufsausbildung fehlt.

Wir verwenden den Begriff im engeren Sinn synonym zu Lehrer.

GB: educators

+ Lehrgang Im engeren, didaktischen Sinn ist ein Lehrgang eine planmäßige Aufeinanderfolge der Unterrichtseinheiten innerhalb eines Unterrichtsfaches bzw. einer umfassenden, relativ abgeschlossenen Teilaufgabe des Unterrichtsfaches. [4] S. 187 - 215.

Beispiele:

  • Organische Chemie (Realschule in Bayern, Jahrgangsstufe 10); sehr umfassender Lehrgang.
  • Salze (Gymnasien in Bayern, Jahrgangsstufe 9); relativ kurzer Lehrgang.

Ein Lehrgang sollte in sich strukturiert sein. Für das Fach Chemie kommen u.a. folgende Strukturen zur Anwendung:

  • synthetisch-linear: die Vermittlung des fachlichen Sachverhaltes in Form von "elementaren Portionen" und in systematischer, aus Sicht des Lehrenden lückenloser, Abfolge.
  • sachlogisch-systematisch: Ein klar abgegrenztes Fachgebiet wird gemäß fachsystematischer Kriterien unterrichtet. Dabei werden Einzelsachverhalte ausgewählt.
  • an Basiskonzepten orientiert: Ausgangspunkt sind die Basiskonzepte des Faches. Bsp. Chemie: Stoff-Teilchen-Konzept, Struktur-Eigenschafts-Beziehung, Donor-Akzeptor-Konzept ...
  • genetisch: Die Entwicklung der Lernenden wird in der Entwicklung eines Lehrgangsaufbaues nachvollzogen.
    • realgenetisch: folgt dem Werdegang des Gegenstandes.
    • problemgenetisch: folgt dem Weg der menschlichen Erkenntnis,
    • parallelgenetisch sucht Parallelen zwischen Ontogenese (persönliche Entwicklung) und Phylogenese (geschichtlicher Werdegang) auszunutzen; und
    • ontogenetisch: man wartet auf Fragen des Kindes und orientiert sich ausschließlich an seinen Bedürfnissen.
  • ganzheitlich-analytisch: die Lernenden lernen in spontaner Aktivität subjektiv sinnvolle Teilgegenstände in ganzheitlicher Annäherung.
  • thematisch: Anhand eines exemplarischen Themas werden fachspezifische Einsichten, Fragestellungen und Arbeitsformen vermittelt.
  • spiralig: Inhalte werden im Verlauf einer Ausbildung mehrmals gestreift und gemäß der Entwicklung des Lernenden ergänzt und vertieft.

Diese Strukturierungsprinzipien lassen sich in Lehrplänen identifizieren, z.B. in der Regel sachlogisch-systematisch in der Organischen Chemie bzw. spiralig beim Lehrgang "Säuren und Basen".

Im weiteren Sinn (eher umgangssprachlich): befristetes Zusammenkommen an einem Lernort zur Erledigung einer begrenzten Lehraufgabe, z.B. berufliche Fortbildung zu einem Thema.

GB: course, topic, module (Begriffe enger werdend).

Gegenteil: Gelegenheitsunterricht.

  Lehrgriff

Einfache, kurz dauernde Einzeltätigkeit des Lehrenden.

Beispiel:

  • Aufruf,
  • Frage,
  • Hinzeigen... 

Von Lehrtechnik nicht immer klar zu unterscheiden. [4] S.19

  Lehrinhalt

Inhalt, der gelehrt werden soll.

GB: ~ content, subject

Syn.: Gegenstand, im Lehrerzimmer- und Lernendenjargon "Stoff".

+ Lehrmittel

Lehrmittel verbleiben in der Regel in der Schule und werden dort von den Lehrenden oder Lernenden genutzt . [18]

Für den Chemieunterricht sind dies z.B.:

  • Geräte für experimentelles Arbeiten,
  • Chemikalien,
  • Computer und Messgeräte, sowie
  • im Unterricht verwendete Medien.

Alle Beispiele unterliegen der Lehrmittelfreiheit. In manchen Bundesländern hat die Bestimmung Verfassungsrang, nicht so in Bayern.

+ Lehrplan Staatliche, verbindliche Vorgabe zum Bildungs- und Erziehungsauftrag einer Schulart. Aktuelle Lehrpläne in Bayern beziehen Stellung zu den

Gelegentlich enthalten sie auch Erläuterungen und Hinweise zur methodischen Gestaltung des Unterrichts. Sie verzichten auf die Formulierung konkreter Feinziele und weisen auf der Ebene der Fachlehrpläne die Schwerpunkte des Lernens in Form offener Zielbeschreibungen aus. [3]

In der Vergangenheit (1970-1993) setzte man auf sehr ausführliche "curriculare Lehrpläne", die detailliert Lehrziele (verbindlich) sowie Medien und Methoden (nicht verbindlich) vorschrieben. Die Lehrpläne 1993 bis etwa 2005 enthielten weniger differenzierte Lehrzielangaben. Es folgte eine Entwicklung hin zu Kerncurricula, die sich auf die Angabe grundlegender Lernziele beschränken (2005-2013):

  • Bayerische Lehrpläne stellen ein pädagogisches Gesamtkonzept für den Unterricht dar, d. h. sie
  • formulieren in ihren Lernzielen sowohl überprüfbare Kompetenzen als auch darüber hinausgehende Fähigkeiten und Wertorientierungen
  • "Lernziele" enthalten sowohl überprüfbare Kompetenzen als auch darüber hinausgehende Fähigkeiten und Wertorientierungen.
  • Der Lehrplan macht Aussagen zur Sequenzierung der Ziele und Inhalte nach Jahrgangsstufen.
  • Er beschreibt nicht nur Lernergebnisse, sondern auch wesentliche Lernprozesse vor dem Hintergrund "didaktischer Prinzipien guten Unterrichts" und
  • macht schulartspezifische Unterschiede deutlich sowie
  • zeigt Möglichkeiten fächerübergreifender Zusammenarbeit auf. [91]

Syn.: Curriculum.

GB.: curriculum (alle Ebenen), syllabus (Fachlehrplan).

+ Lehrprogramme Ein Lehrprogramm ist Software, die unterschiedlich viele Elemente von Unterricht beinhaltet. Man unterscheidet:

Elemente von Unterricht sind z.B.:

  • Organisiertheit (methodisches Vorgehen)
  • Vorhandensein von Lehrzielen
  • Adressatengerechtigkeit
  • Vorhandensein von Erfolgskontrollen
  • zu lehrende Inhalte.

GB: teachware

+ Lehrtechnik

Tätigkeit komplexerer Art als es der Lehrgriff ist, und die speziell zu erlernen ist.

Beispiele:

  • Lehrervortrag,
  • Impulsreferat,
  • mind-mapping (im allgemeinen Sinn),
  • Erzähltechnik,
  • Sandwich,
  • Führen eines Unterrichtsgesprächs,
  • Korrigieren und Bewerten von Schülerarbeiten...

Vom Lehrgriff nicht immer klar abzugrenzen. [4] S.19 Ihre konkrete Ausführung an einem bestimmten Inhalt für einen bestimmten didaktischen Ort bezeichnen wir als Methodenbaustein.

Syn.: Lehrfertigkeit, Unterrichtspraktik.

GB: (teaching) activity

  Lehrwanderung

Wanderung mit ausgewiesenen Lehrzielen.

+ Lehrziel

Unterrichtsziel aus Sicht des Lehrenden. [4] S.97

Lehrziele sollten von Leistungszielen unterschieden werden.

GB: teaching objective / goal

+ Lehrzielhierarchie

Einteilung von Lehrzielen nach ihrem Ausmaß an Detailliertheit: Leit-, Rahmen-, Richt-, Grob-, Fein-, Teilziel.

  Lehrzielklassen

Syn.: psychische Dimensionen von Lehrzielen, didaktische Schwerpunkte, Zielklassen. [1] S. 515

+ Lehr(ziel)kontrolle Wesentlicher Bestandteil der Leistungssituation von Unterricht. Dabei wird durch den Lehrenden über Fragen (mündlich oder schriftlich), durch Aufgaben- und Problemstellung eruiert, ob die vorgegebenen Lehr- und Lernziele erreicht werden konnten. Hilfreich (aber nicht Bedingung) dabei ist eine weitgehende Operationalisierung dieser Ziele. [5]

In der Praxis wird der Inhalt des Begriffes unter "Lernzielkontrolle" subsummiert. Glöckel [4] unterscheidet aber in sinnvoller Weise zwischen der Lernenden- (Lern-) und der Lehrendensicht (Lehr-). Er weist auch klar darauf hin, dass Ziele nicht kontrolliert werden können (Ergebnisse schon) und empfiehlt den Begriff "Lehrkontrolle" bzw. "Ergebniskontrolle". Wir verwenden Erfolgskontrolle.

  Lehrzielorientierung Ein Grundprinzip für Unterricht, dem alle Unterrichtsmethoden folgen sollten. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Lehrziele aus dem Lehrplan oder um solche handelt, die der Lehrende aus persönlicher Überzeugung verfolgt. Unterricht ohne Zielorientierung ist keiner.
  Lehrzieltaxonomie Versuch einer Systematisierung von Lehrzielen. Ergebnisse sind z.B. die Zuordnung von Lehrzielen zu psychischen Dimensionen oder eine Lehrzielhierarchie.
  Leitlinie

Wenig scharf zu fassender Begriff, der eine gemeinsame Idee, einen "roten Faden" eines Lehrgangs oder einer Unterrichtseinheit beschreibt. Dieser rote Faden kann ein Basiskonzept, eine komplexere fachübergreifende, fachpraktische oder theoretische Fragestellung oder ein umfangreicheres Alltagsproblem sein. Beispiele:

  • Struktur-Eigenschafts-Beziehung (Basiskonzept)
  • Lösen und knüpfen chemischer Bindungen (fachliche Leitlinie)
  • Struktur der Materie (fachübergreifende Leitlinie)
  • Denk- und Arbeitsweisen des Chemikers (fachtheoretische Leitlinie)
  • Die Ursache von Veränderungen in der Natur (alltagsorientierte Leitlinie)...

Leitlinien scheinen den Basiskonzepten übergeordnet, weiter gefaßt zu sein.

GB: guideline

+ Leistungsmessung

Im eigentlichen Sinn bedeutet Leistungsmessung das Erheben von Lernergebnissen nach quantitativen Maßstäben, z.B. die Zuordnung von Leistungen zu einem System von (Roh)Punkten.

Es können sich anschließen:

  • eine Bewertung, also die Zuteilung von Noten entsprechend einem Punkteschlüssel, und/oder
  • eine Beurteilung, also etwa die Einteilung in "bestanden" und "nicht bestanden", Klassenziel erreicht oder nicht erreicht...

Die Begriffe Leistungsmessung und Bewertung sollten jedoch klar unterschieden werden.

Traditionelle Formen im naturwissenschaftlichen Unterricht sind z.B.:

  • Klausur
  • Kurzarbeit (Test)
  • Protokoll
  • mündliche Beiträge
  • Stegreifaufgabe
  • (schriftliche) Hausaufgabe
  • Referat
  • Facharbeit
  • Kolloquium...

oder Kombinationen davon (z.B. Experiment mit Protokoll und/oder mündlicher Prüfung dazu).

Gemessen werden im deutschen Schulsystem in der Regel nur kognitive Leistungen, gelegentlich psychomotorische; affektive entziehen sich einer Objektivierung.

Zweck ist

  • die Einordnung von Leistungen in ein Erwartungssystem,
  • die (objektivere) Vergleichbarkeit von Leistungen herzustellen.

Ungeeignet ist Leistungsmessung zur Erfolgskontrolle und Verhaltensbeeinflussung auf Seiten der Lernenden (etwa Förderung der Mitarbeit im Unterricht).

GB: performance test, summative assessment

  Leistungsziel Personen versuchen, im Vergleich zu anderen Einzelpersonen oder Gruppen besser zu werden oder zu erscheinen. [93]

Siehe auch die Lernziel-Lehrziel-Unterscheidung.

GB: performance goal

  Leitziel

Oberste Ebene in der Hierarchie der Lehrziele. Dazu gehören:

  • die Obersten Bildungsziele, wie sie z.B. in der Verfassung des Freistaates Bayern, Art.131 (2) festgelegt sind, z.B. Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl, Hilfsbereitschaft...; und
  • die Allgemeinen Ziele, z.B. Solidarfähigkeit, Selbstbestimmung, Fähigkeit zu urteilen, zum eigenen Standpunkt, Kritikfähigkeit...
  Lektion

Syn.: Unterrichtseinheit.

GB: module

+ Lern-

Betrachtungsweise des Unterrichtsgeschehens aus Sicht des Lernenden. [4] S.17

  Lernakt Einfache, kurz andauernde Einzelhandlungen des Lernenden, spontan oder vom Lehrenden bewirkt.

Beispiele:

  • Melden,
  • Antwort,
  • Frage... [4] S.19
  Lernarrangement syn. Lernumgebung
+ Lernaufgaben Aufgaben, die zu Lernzwecken formuliert wurden. Lern- und Prüfungssituationen sollten stets für den Lernenden klar ersichtlich getrennt werden. Sie unterscheiden sich von Prüfungsaufgaben nicht durch die Verwendung bestimmter Operatoren, sondern nur dadurch, dass sie Lernhilfen (z.B. im Sinn von abgestuften Lernhilfen) beinhalten können.
  Lernbegleiter Bezeichnung für den Lehrenden in konstruktivistischen Lernsituationen.
+ Lernbereich Im LehrplanPLUS (Bayern ab Schuljahr 2014/15) anstatt "Grobziel" verwendet. Er beschreibt das Ziel eines Lehrgangs eher kurzer Reichweite (mehrere Unterrichtsstunden). In der Hierarchie zwischen Richt- und Feinziel eingeordnet.
Bsp. Lehrplan Realschulen Bayern, Stand NN Bsp. Lehrplan Gymnasien Bayern, Stand 2015
NN C08 LB 1 Wie Chemiker denken und arbeiten
NN C10 LB 2 Donator-Akzeptor-Konzept und Reversibilität chemischer Reaktionen bei Protonenübergängen
NN C12 LB 3 Natürliche und synthetische Makromoleküle

Syn.: Grobziel (Bayern im Lehrplan bis 2014).

GB: learning or teaching aims

+ Lernen Lernen ist eine Tätigkeit, die bei Erfolg zu einer stabilen Verhaltensänderung auf Grund von Neuverknüpfungen von Nervenzellen durch größen- und zahlenmäßige Ausweitung der Synapsen im Gehirn führt.

Für die Lehrtätigkeit ist es sinnvoll zu unterscheiden:

  • explizites Lernen, d.h. Lernen aus bewussten Lehrsituationen heraus, in denen z.B. Regeln vermittelt, Beispiele analysiert, Aufgaben gelöst werden. Ergebnis ist lehrbare Wissen, z.B. Fachsprache, Reaktionsmechanismen, Aufbau der Materie....
  • implizites Lernen, d.h. meist selbständiges (beiläufiges) Finden von Regeln aus Alltagssituationen heraus auf Grund von Mustererkennungsprozessen; die Regeln sind dann bekannt, ohne dass sie klar benannt werden könnten. Ergebnis ist ein nicht (direkt) lehrbares Wissen [27], z.B. Sozialkompetenz, Muttersprache, erfolgreiche Problemlösestrategien....

Siehe auch: implizites/explizites Wissen.

Man kann folgende Lerner-Typen unterscheiden:

  • Tiefenarbeiter: lernt bedeutungsorientiert, erkennt Sinn und Ziel, hat Freude; Motivation: will wissen, ist an Lerninhalten interessiert.
  • Wiederholer: lernt eng am Vorgegebenen, will exakt reproduzieren, Motivation: will Misserfolg vermeiden.
  • Stratege: orientiert sich an vorgegebenen Zielen, setzt Strategie ein; Motivation: "maximaler Ertrag bei minimalem Aufwand".
  • Apath: ungezielte oder desorganisierte Lernaktivität; Motivation: keine; negative Einstellung zum Lernen. [55]

GB: deep approach, surface approach, strategic approach, ???

Andere unterscheiden:

  • Lernen auf der Basis von Sprache (verbales Lernen, Auswendiglernen) z.B. für nicht vorstellbare Begriffe (z.B. fern, angenehm); es sind im Wesentlichen Gehirnareale beteiligt, die mit der Sprachproduktion zu tun haben, z.B. in den Temporallappen; und
  • Lernen mit dem geistigen Auge (Visualisierung), für vorstellbare Begriffe (z.B. Tasse, Baum); es sind Gehirnareale des visuellen Cortex im Occipitallappen beteiligt.

Zur Visualisierung sind folgende beiden Varianten zu zählen:

  • emotionale Visualisierung, bei der emotional stark berührende Bilder und der daraus resultierende Streß eine Rolle spielen (z.B. Unfall eines Kindes); und
  • Nachahmung (dessen, was man gerade sieht); hierfür werden spezielle Spiegelneurone im Gehirn diskutiert. [38]

GB: learning (im allgemeinen Sinn), study (im engeren, zielgerichteteren Sinn)

  Lernende Syn.: Schüler (Mz.), männlich wie weiblich. In der Regel Menschen.

Der Begriff kann etwas allgemeiner gebraucht werden als "Schüler" und ist genderneutral einfacher verwendbar als z.B. SuS (=Schüler und Schülerinnen) oder Schüler/Innen.

Siehe auch: Lernpartner.

GB: pupil (student wird manchmal auch auf Schule angewandt, gilt aber im engeren Sinn nur für Universitäten).

  Lernen durch Lehren (LdL) LdL wurde primär für den Fremdsprachenunterricht entwickelt [63].  Wir betrachten es als einen Methodenbaustein aus der Gruppe des kooperativen Lernens, eine Sonderform des Expertenkongress: auch hier werden bestimmte Lernende in einer Vorbereitungsphase zu "Experten" und bringen danach ihren Mitschülern die Inhalte in irgend einer Form bei. Dabei entwickeln sie auch je nach Fall selbständig Übungen, Arbeitsblätter, Tafelanschriften für ihre Mitschüler. Der Methodenbaustein zeigt hohe Akzeptanz durch Lernende, kann aber manche überfordern.

Siehe auch: Visualisierung Methodenkomplex

GB: learning by teaching

  Lernfirma Methodenbaustein mit wesentlichen Merkmalen einer (geöffneten) Unterrichtsmethode: Gruppen zu 4-5 Lernenden bilden in der Lernfirma jeweils einzelne Abteilungen. Diese erhalten Arbeitsaufträge von einer fiktiven Geschäftsführung, die die Lernenden-Gruppen zu erfüllen haben. Auf den Arbeitsaufträgen sind nur die Problemstellungen, die Materialien und Chemikalien aufgeführt, die die einzelnen Abteilungen benötigen. Versuchsdurchführungen und Versuchaufbauten enthalten die Aufträge nicht. Es stehen aber bestimmte Materialien und Hilfen bereit. Die Lernenden sollen die Experimente möglichst eigenständig planen und durchführen. An Geräten werden bewusst allen Lernenden die gleichen Materialien gegeben, die nicht alle in jeder Gruppe benötigt werden. Dies soll eine Auseinandersetzung auch mit diesen Materialien provozieren und die Arbeit nicht von vorne herein zu stark lenken, Hilfen und Anleitungen sind aber stets vorhanden. Wenn eine schwächere Gruppe nicht zur Lösung gelangt, kann eine gegliederte Vorschrift zur Versuchsdurchführung und eine Zeichnung des Versuchsaufbaus als Hilfe bei der Lehrkraft eingesehen werden. [67] Der Methodenbaustein erinnert an strukturierte Lernhilfen und die Projektmethode.

Bsp.: Stofftrennung (I. Eilks, Universität Bremen).[66]

+ Lernmittel Lernmittel sind "die für die Schülerinnen und Schüler bestimmten und von diesen selbständig und eigenverantwortlich im Unterricht... und bei der häuslichen Vorbereitung gebrauchten Unterrichtsmittel." [18]

In der Regel müssen Lernmittel durch das zuständige Ministerium zugelassen werden. Man unterscheidet:

  • lernmittelfreie, also aus Lernendensicht kostenlose, von
  • bedingt lernmittelfreien (Voraussetzungen sind in Schulfinanzierungsgesetzen geregelt) und
  • nicht lernmittelfreien Lernmitteln.

Welche Lernmittel in welche Kategorie fallen unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Bsp. für Chemieunterricht in Bayern, Stand 12/2011:

  • das Schulbuch, lernmittelfrei
  • das Periodensystem, nicht lernmittelfrei
  • eine Formelsammlung, bedingt lernmittelfrei
  • Arbeitsblätter, nicht lernmittelfrei
  • Arbeitshefte, Ausnahmen bedingt lernmittelfrei und
  • Aufgabensammlungen, nicht lernmittelfrei. [74]

Begriff ist dem Arbeitsmittel untergeordnet. Siehe auch Lehrmittel.

GB: -

  Lernort Der deutsche Bildungsrat definiert Lernorte als Einrichtungen, die auf das öffentliche Bildungswesen abgestimmte und von diesem anerkannte Lernangebote organisieren. Er unterscheidet:
  • primäre Lernorte, die eigens für das Lernen eingerichtet sind (z.B. ein Umweltbildungszentrum) und
  • sekundäre Lernorte, die vorrangig andere Aufgaben erfüllen (z.B. Max-Planck-Institut). [62]

Eine sinnvolle Unterscheidung ist auch:

  1. Innerschulische Lernorte (ISLO) als Ort, an dem Lernen institutionalisiert stattfindet, mit seiner hierfür spezifischen Ausstattung (Tische, Tafel, Computer, Gasanschlüsse o.ä.). Das kann sein:
    • ein Klassenzimmer,
    • ein Fachraum (z.B. der Chemiesaal),
    • der Schulhof bzw. Schulgarten...
  2. Außerschulische Lernorte (ASLO), zu denen alle Lernorte, die nicht im Geltungsbereich der Schulordnung liegen, zusammengefasst werden.
    • ein Ort in der Natur (z.B. ein Gewässer),
    • ein Arbeitsplatz (z.B. ein Forschungslabor der Universität),
    • eine öffentliche Einrichtung (z.B. die Abteilung Chemie des Deutschen Museums)
    • ein Betrieb (z.B. die Produktionshalle für Reinstsilicium),
    • ein Schülerlabor...

GB: instructional or educational setting

  Lernpartner Bezeichnung für den Lernenden (Schüler) in konstruktivistischen Lernsituationen.

+ Lernplattform Lernplattformen sind "virtuelle Werkzeugkoffer, die zur Planung, Durchführung und Verwaltung von Lehr-Lern-Szenarien im virtuellen Raum Hilfsmittel zur Verfügung stellen." [71] Deshalb ordnen wir den Begriff eher der Software zu, nicht den Medien.

Einsatz: (Auflistung nach steigendem Komplexitätsgrad)

  1. Repositorium: zugangskontrollierte Dateiablage für Unterrichtsmedien: Arbeitsblätter, Präsentationen, Filme, Linksammlungen...; Nutzer bedienen sich.
  2. Festigung: zu den Funktionen von 1. kommen Übungs-, Wiederholungs- und/oder Vertiefungs-Aufgaben sowie ggf. Kommunikationskanäle für Interaktion dazu.
  3. Differenzierung: wie 2., jedoch Aufgaben auf z.B. 3 verschiedenen Niveaus (Förderung, Übung, Vertiefung).
  4. Erarbeitung: angebotene Materialien stehen in engem Zusammenhang mit bestimmten Unterrichtseinheiten; Lernende bestreiten damit selbständige Arbeitsphasen (Binnendifferenzierung).
  5. Unterrichtseinheit: eine komplette UE kann in Selbsttätigkeit (einschließlich Erfolgskontrollen) absolviert werden.
  6. Lehrgang: komplette Lehrgangänge (z.B. Organische Chemie, oder alle Fächer einer Jahrgangsstufe) werden eingestellt.
  7. LdL: Lernende stellen Kurse ein. [nach 71]

Bsp.:

  • Moodle
  • Fronter
  • Ilias
  • lo-net2
  • Sharepoint...

GB: virtual learning environment VLE

+ Lernprogramme

Lernprogramme sind Software, die im weitesten Sinn zum Zweck der Unterstützung von Lernenden bei ihrem Lernprozess geschrieben wurden. Man teilt sie ein in:

GB: learnware

+ Lernschwierigkeit Im weitesten Sinn: Der Lernende erlebt eine Lücke oder einen Widerspruch in seinem Bild von der Wirklichkeit (dies wird i.d.R. als unangenehm empfunden). Das Bewusstmachen und Reflektieren der Schwierigkeit ggf. zusammen mit einem Lehrenden führt zum didaktischen Problem.

Lernschwierigkeiten können an allen drei Ecken des Didaktischen Dreiecks auftreten:

  1. vom Lehrenden verursacht ("Lehrerinduzierte Lernschwierigkeiten" folgen z.B. aus Nichtbeachtung didaktischer Regeln, Nichtberücksichtigen des entwicklungspsychologischen Standes der Lernenden, Verwendung einer unklaren Fachsprache*, Verschweigen von Modellgrenzen**, leider gibt es mehr)
  2. auf Seiten des Lernenden (z.B. erforderliche Entwicklungsstufe "formales Denken" noch nicht erreicht)
  3. von Seiten des Inhalts (z.B. erforderliches Abstraktionsniveau durch Lernende nicht leistbar ...)

*Beispiele für unklare Fachsprache:

  • "Der elektrische Strom wird durch Ionen geleitet"
  • "Eisen wird durch die Reaktion mit Schwefel zu Schwefeleisen umgewandelt"
  • "Durch Zugabe von Thiocyanat verschiebt sich das Gleichgewicht"
  • "äußere Elektronen sind energiereicher als innere"
  • (Aufzählung wird fortgesetzt) [nach 48]

**Beispiele zum Verschweigen bzw. Nichtfestigen von Modellgrenzen:

  • Bohrsches Atommodell: die Darstellung in konzentrischen Kreisen suggeriert das Planetenmodell. Oft fehlt sogar die Darstellung der verbotenen Zone. [80]
  • Orbitale: die Darstellung des s-Orbitals beschränkt sich auch bei höheren Niveaus (2s, 3s) auf eine Kugel. Dabei verschwinden innere, kleinere Verteilungsmaxima aus dem Bewusstsein.
+ Lerntagebuch Hilfsinstrument im Lernenden orientierten Unterricht (z.B. SOL), in dem Lernende ihren Lernfortschritt dokumentieren und somit eine der wichtigsten Forderungen nach Nachhaltigkeit beim Lernen erfüllen [95]), nämlich ausführliches Feedback zu liefern. Gleichzeitig ist es ein Instrument der Prozessdiagnose.

Das Feedback geschieht in drei Richtungen:

  • für Lernende selbst, da sie hier Reflexionen über das eigene Lernverhalten anstellen (z.B. Einträge im Kasten "Wie schwierig empfand ich die Übung?" von "gar nicht"  bis "sehr") und das Ergebnis von Selbstkontrollen festhalten (z.B. Einträge im Kasten "Wie sicher bist du dir bei den Ergebnissen?" von "sehr" bis "gar nicht").
  • für Lehrende, da diese gezielt Hilfestellung bei Unsicherheit der Lernenden geben können (z.B. als Reaktion auf Einträge im Kasten "Weiß ich, woher ich Hilfe bekomme?" die verneinend lauten.)
  • gelegentlich auch für Eltern, damit sie Lernfortschritte loben können.

Beispiel für eine übliche Lerntagebuch-Seite (pptx),
mit Druckvorlage

Das Lerntagebuch ergänzt die orientierenden Maßnahmen wie Kompetenzraster und Advance Organizer fast zwangsweise. Der Einsatz zu Kontrollzwecken durch Lehrende oder Eltern wäre Missbrauch.

Position des Lerntagebuchs als Lernhilfe im didaktischen Dreieck

Zusammenhang als pptx.

GB: learning journal

  Lerntechnik

Anspruchsvollere Lerntätigkeit, wie

  • Teilnehmen am Unterrichtsgespräch,
  • Verbessern,
  • selbst zusammen fassen,
  • Memorieren...

Überbegriff: Arbeitstechnik; [4] S.19

  Lerninhalt

Inhalt, der gelernt werden soll.

Syn.: Gegenstand, im Schülerjargon "Stoff".

  Lernumgebung Wenig scharf zu definierender Begriff, der beschreibt:

a. einen Lernort (Lernkontext) mit seinen lernrelevanten Wirkungen (z.B. Arbeitsplatz zu Hause mit Schreibtisch, Bücherregal, Störeinflüssen, Computer...)

b. eine Lerngemeinschaft aus Lernenden und/oder Lernmaterialien (Aufgaben, Nachschlagewerke, Kontrollen...)

c. (syn.: Lernarrangement) eine Kombination aus Inhalten und methodischen Maßnahmen, ohne sich bezüglich der Zeitdimension und der Unterrichtsmethode festzulegen.

d. (syn. Lernwerkstatt) "Anregende Lernumgebung" für den selbstgesteuerten Unterricht, in der der Lernende alles findet, was er für Erarbeitung, Diskussion, Präsentation... braucht. [89]

Siehe auch: Methodenbaustein.

  Lernwerkstatt syn. Lernumgebung
+ Lernziel

a. aus konstruktivistischer Sicht: Unterrichtsziel aus Sicht des Lernenden.

Ein Lernziel beschreibt den angestrebten Lerngewinn der Lernenden bezogen auf einen bestimmten Inhalt. Lernziele sind intrinsisch. Lernende versuchen, in einer oder mehreren Kompetenzen besser zu werden als vorher. Lernziele werden von Lernenden formuliert und enthalten ggf. Angaben zu den drei Komponenten:

Der Begriff sollte keinesfalls für die Unterrichtsziele aus Sicht des Lehrenden verwendet werden! [4] S.97 Siehe: Lehrziel.

b. aus instruktivistischer Sicht: Lernziele beschreiben, was Lehrer erwarten, dass Schüler wissen oder können, welche Einsichten sie gewinnen und welches Verhalten sie zeigen sollen.

Grundsätzlich sollten Lernziele (intrinsisch) von Leistungszielen (extrinsisch) unterschieden werden.

GB: mastery goal, learning objective (feiner) or aim (gröber)

  Lern(ziel)ebene Instruktivistische Beschreibung: Vertikale Unterteilung von "Lernzielen" in bayerischen Lehrplänen nach Abstraktionsniveau:
  • Leitziele: oberste pädagogisch-didaktische Absichten, die u. a. durch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und die Bayerische Verfassung bestimmt werden (meistens in Ebene I der entsprechenden Lehrpläne verankert).
  • Richtziele: fachspezifische Ziele, die die wesentlichen Aufgaben der Wissenschaft als Unterrichtsfach beschreiben (meistens in Ebene II und III als Fachprofile, teilweise in Fachlehrplänen verankert).
  • Grobziele: themenbezogene Ziele, die entweder aus dem Fachlehrplan übernommen sind oder vom Lehrer selbst formuliert werden (bezogen auf einzelne Unterrichtseinheiten).
  • Feinziele: Ziele der Unterrichtseinheit, die die Lernergebnisse beschreiben und in aller Regel vom Lehrer formuliert werden.

Vermutlich Begriff mit allein historischer Bedeutung, da kompetenzorientierte Lehrpläne (z.B. Lehrplanplus ab 2014 in Bayern) eine andere Nomenklatur verwenden.

  Lern(ziel)kontrolle

Wesentlicher Bestandteil einer (selbständigen) Lernsituation im Unterricht. Dabei wird durch den Lernenden über (vom Lehrenden bereitgestellte) Fragen (mündlich oder schriftlich), durch Aufgaben- und Problemstellung eruiert, ob die Lernziele, die er sich vorgenommen hat, erreicht wurden.

In der Praxis wird unter dem Begriff auch die Lehrendensicht (Lehr(ziel)kontrolle) subsummiert. Glöckel [4] unterscheidet aber in sinnvoller Weise zwischen der Lernenden- (Lern-) und der Lehrenden- (Lehr-)-Sicht. Er weist auch klar darauf hin, dass Ziele nicht kontrolliert werden können (Ergebnisse schon) und empfiehlt den Begriff "Lernkontrolle" bzw. "Ergebnis-" oder Erfolgskontrolle, wobei wir letzteren empfehlen.

+ Lernzirkel Im allgemeinen Sinn eine Arbeitsform aus der Gruppe der Freiarbeit. Eine Form des Stationenlernens, bei der der innere Zusammenhang so gewählt ist, dass die Lernenden alle Stationen in einer bestimmten Reihenfolge durchlaufen müssen, weil sie aufeinander aufbauen. [nach 24] Der Begriff suggeriert einen kreisförmigen Zusammenhang, der aber nicht gegeben ist: die Lehrziele sind linear (konsekutiv) angeordnet.

Im engeren, konkreten Sinn ein Methodenbaustein bzw. eine Kombination von mehreren, sofern er/sie anhand eines konkreten Inhaltes für einen bestimmten didaktischen Ort aufbereitet wurde/n.

Bsp.: siehe [61]

GB: circus (of experiments, activities...)

  Lückentext Text, in dem bestimmte Wörter (Substantive für (Fach)Begriffe, Verben für Zusammenhänge o.ä.) fehlen und von den Lernenden, sofern die betreffenden Lehrinhalte verstanden wurden, ergänzt werden müssen. So fern die gute Absicht.

In der Praxis gibt es kaum gute Lückentexte. Lernende scheitern oft an sprachlichen denn fachlichen Hürden: in eine Lücke passen mehr als ein Begriff, welcher gilt nun? Manche Lehrende versuchen, dieser Schwierigkeit aus dem Weg zu gehen, indem sie einen Katalog von Begriffen anbieten, aus dem gewählt werden soll. Dieser Katalog kann auch Distraktoren enthalten.

Legende:
[n]   Quellenangabe, wobei n = Laufende Nummer aus dem Quellenverzeichnis.
fett Hervorhebungen sowie, bei Verbreitung mehrerer Synonyme, der vom Autorenkreis bevorzugte.

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    E-Mail an: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de