Stand: 20.04.16


Begriffssystem zur Fachdidaktik Chemie

E - H


GW Begriff

Definition

  EEE Manchmal als Unterrichtsmethode (gelegentlich in der Chemie-Didaktik undifferenziert auch "Normalverfahren") bezeichnet: einfachst denkbares Modell für eine Gliederung (Artikulation) von Unterrichtseinheiten nach dem Muster:
  1. Einstieg
  2. Erarbeitung
  3. Ergebnissicherung. [24]

Für den Chemieunterricht kann dies nur ein erster, unbefriedigender Schritt hin zur Ausbildung einer Methodenvielfalt sein.

  Eigentätigkeit siehe Selbsttätigkeit.

GB: ~ hands on activity

  Einstieg Oft synonym zur ersten Artikulationsstufe einer Unterrichtsmethode verwendet. Absicht ist die "Motivation" oder das Anschließen an bereits Bekanntes.

Beispiel: "Problemgewinnung" bei der Gruppe der problemorientierten Unterrichtsmethoden.

Meist als erster Teil von Eröffnungsphase, Initialphase... eingesetzt [nach 37]

GB: starter

  Einzelarbeit Eine Sozialform: die Lernenden arbeiten an der Erledigung einer Aufgabe allein.

GB: to work one-to-one

+ elektronisches Buch Software aus der Gruppe der Lernprogramme. Elektronische Form eines Buches. Wir beschränken uns hier auf Fachbücher Chemie (in 01/12 wurden über 100 bei Amazon gelistet).
  • Technik: E-Bücher können am Computer oder mit besonderen Lesegeräten gelesen werden.
  • Einsatz: wie ein Papierbuch.
  • Vorteile: Am Computer stehen Suchfunktion, Farbe und Hyperlinks zur Verfügung, an Lesegeräten viele Funktionen (z.B. Lesezeichen, mehrere Schriftgrößen und -arten, Notizenfunktion), die oben Genannten jedoch nicht auf allen Fabrikaten. Kapazität mehrere Tausend Bücher, keine Gewichtsänderung.
  • Gefahren: Verlust der Darstellung bei Zerstörung des Speichers oder leeren Akkus.

GB: electronic book, e-book

+ Elementarisierung Eine der Maßnahmen zur didaktischen Reduktion: durch Rückführung auf einen grundlegenden Teilaspekt eines fachlichen Inhaltes wird dieser für einen bestimmten Kreis von Lernenden verständlich.

Bsp.: das (undifferenzierte) Teilchen als elementarste Vorstellung über den Bau der Materie.

GB: first principle (i.S.v. das Elementare)

  Empathie Beobachtung der Absicht hinter einem Verhalten. Durch Imitation fühlen, was eine andere Person empfindet. [21]

Bedeutende Fähigkeit, die zur Kommunikation in Populationen, insbesondere im Lehr-Lern-Prozess unerlässlich ist.

GB: empathy

  Empirie Ausgangsfrage: Wie geschieht etwas? Die Antwort erfolgt auf der Grundlage von Erfahrung.
+ entdeckend a. Im allgemeinen Sinn eine Konzeption: Die zu erwerbende Wissensorganisation wird nicht unter Anleitung eines Lehrenden schrittweise eingeübt, sondern durch den Lernenden selbst abgeleitet. Es stellt höchste Anforderungen an selbständig initiierte und kontrollierte Lernaktivitäten. Der Lehrende hat beratende bzw. moderierende Funktionen. Klassische Versionen sind
  • das Lernen durch Erkunden,
  • das Lernen durch Experimentieren und
  • das Lernen am Beispiel. [30]

b. Im engeren Sinn schülerorientierte Unterrichtsmethode aus der Gruppe der problemorientierten Methoden (gelegentlich auch "entdecken lassend" genannt), bei der die Lernenden von Beobachtungen ausgehen und nach Regeln, Gesetzen forschen - deshalb von der forschenden Unterrichtsmethode nicht immer klar abgrenzbar, deshalb oft Verwendung als "forschend-entdeckende Methode". [31]

Übliche Artikulationsstufen (wie forschende UM):

  1. Problemfindung
  2. Lösungsplanung
  3. Lösung
  4. Abstraktion
  5. Festigung.

Der Übergang zum entwickelnden Unterrichtsverfahren ist fließend.

GB: discovery learning, inquiry.

+ entwickelnd

Lehrerzentrierte Unterrichtsmethode (kann problemorientiert geführt werden), bei der der Lehrende stark anleitet.

Übliche Artikulationsstufen (vergleiche mit forschender UM):

  1. Problemstellung
  2. Lösung
  3. Abstraktion
  4. Festigung.

Im Extremfall sind alle Stufen lehrerzentriert. Die Übergänge zum entdeckenden Unterrichtsverfahren sind fließend, da unterschiedliche Anzahlen von Artikulationsstufen lehrer- oder schülerzentriert geführt werden können.

GB: ?

  Epochalunterricht Meistens im Rahmen eines Fächerverbundes die Behandlung fachspezifischer Inhalte über einen begrenzten Zeitraum im Schuljahr.

Beispiele:

  • Grundschule: im Rahmen des Sachunterrichtes (4-stündig) werden alle vier Stunden über 3 Wochen dem Thema "Wasser" (Fachbezug Chemie) gewidmet.
  • Gymnasium: im Rahmen des Natur- und Technikunterrichtes (3-stündig) werden alle drei Stunden über 2 Wochen dem Thema "Stoffe und Materialien" (Fachbezug Chemie) gewidmet.

GB: epochal teaching

  Erfahrungskiste Neuer Begriff für eine Art Unterrichtsmaterial, das dem Montessori-Lernmaterial für das Fach Chemie nachempfunden wurde.

Notwendige Funktionen und Elemente sind:

  1. einfach
  2. von hoher ästhetischer und materieller Qualität (ansprechend, robust, z.B. transparente Kunststoff-Kisten mit Deckel)
  3. unterstützt über die Form der Anleitung forschendes, entdeckendes, selbst organisiertes Lernen
  4. erstreckt sich über ein Unterrichtsziel (Zeitdimension 15-30 Min.)
  5. ermöglicht Erfolgskontrollen durch den Lernenden selbst
  6. enthält eine Arbeitsanleitung, aber nur so weit reichend, dass nicht Ergebnisse vorweg genommen werden und dass Lernende selbständig, ohne Lehrende, die Anforderung erfüllen können
  7. alle Materialien (Anleitung, Kontrollen, Arbeitsmittel usw.) sind in der Kiste zusammen untergebracht, mit Ausnahme von sehr teuren oder sehr großen Standard-Labormaterialien (z.B. Netzgerät, Stativmaterial)
  8. die Kiste befindet sich an einem festen Ort.

Zusätzlich können folgende Funktionen angestrebt werden:

  1. Zugänge mit mehreren bis allen Sinnen;
  2. Ziel soll über unterschiedliche Lernwege und Schwierigkeitsgrade erreicht werden können.

Vermutlich lassen sich diese Ziele nur mit einem Satz von Erfahrungskisten erreichen.

+ Erfolgskontrolle (Zwingend erforderliche) Bemühungen des Lehrenden oder des Lernenden (Selbstkontrolle), nach Abschluss einer Unterrichtsmethode das Ausmaß des Erfolges festzustellen. Dies kann z.B. durch Aufgaben nach den vier Schwierigkeitsgraden erfolgen.

Syn.: "Lernzielkontrolle" (zu vermeiden). Nicht zu verwechseln mit Leistungsmessung oder Bewertung oder Festigung.

GB: formative assessment (of ELO enabling learning objectives), assessment of learning outcome

+ Erkenntnisebene

Für das Fach Chemie unterscheidet man die Erkenntnisebenen

Sie haben für die Fachdidaktik enorme Bedeutung, da sie an Lernende sehr unterschiedliche Anforderungen stellen, die jene nur in bestimmten Entwicklungsstufen erfüllen können.

GB: plane of insight

+ Erziehung

Rahmen für das Erproben moralischer Vorgaben durch Handeln. [5]

Variante a:

  • Im weitesten Sinn: Sozialisation als Gesamtheit der gesellschaftlichen Einflüsse auf den (heranwachsenden) Menschen.
  • Im weiteren Sinn: Gesamtheit aller absichtlichen (und wohlmeinenden) Einflussnahmen auf den (heranwachsenden) Menschen, die seine Entwicklung (positiv) beeinflussen wollen; schließt Unterricht ein, ist ihm übergeordnet.
  • Im engeren Sinn: Hinführung zu verantwortlichem Handeln; ist dann dem Unterricht nebengeordnet. [4n]

Variante b: Gesamtheit von Einflüssen, die bei der aktiven Ausgestaltung der Persönlichkeit des "educandus" in Betracht kommen können. [5]

Variante c: Erziehung ist die bewusste und absichtsvolle Einflussnahme auf die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. [16]

GB: education?; es fehlt die Differenzierung in Bildung und Erziehung.

  Erziehungsziel

Oberbegriff für die Hierarchie Rahmen-, Grob- und Feinziel.

GB: education aims

+ Evaluation a. Allgemein: jegliche Art der Festsetzung des Wertes einer Sache (syn. Bewertung). Es handelt sich dabei um prinzipielle Reaktionen auf Elemente der Kommunikation zwischen Individuen, wenn es sich bei der Sache um Informationen dreht.

b. In Schule und Universität: Bewertung besonders der methodischen Wirksamkeit der Arbeit des Lehrenden (Auswahl, Eignung für den Zweck, Effizienz...) oder der Institution als Ganzem (Schule, Studiengang, Universität...). [nach 5a]

Man unterscheidet:

  • Prozessevaluation (Bewertung des Entwicklungsweges von Leistungen des Lehrenden oder des Lernenden)
  • Produktevaluation (Bewertung des Ergebnisses von Lehr- und Lernprozessen).

Nach Herkunft des Evaluierenden kann man unterscheiden:

  • interne Evaluation, d.h. sie wird von Personen, die in der zu evaluierenden Institution (z.B. Schule) arbeiten, durchgeführt, und
  • externe Evaluation, die in Zusammenarbeit mit nicht in der Schule arbeitenden Personen durchgeführt wird. [16]

oder nach dem Ziel:

  • formative Evaluation: man möchte ein Feedback zur Qualität des Unterrichts (Qualitätskontrolle)
  • Controlling: man möchte das Zusammenspiel von übergeordneten Behörden mit Verwaltung und Lehrenden verbessern bzw. die Gesamtkosten ermitteln
  • Selbstevaluation: man möchte als Lehrender oder Lernender sicherer werden (Evaluation jeweils durch beide)
  • Forschung: man möchte z.B. ein Unterrichtsverfahren, eine Sozialform, ein Medium auf seine Wirksamkeit überprüfen
  • Intervention: mit Hilfe des Ergebnisses der Evaluation soll der Lehrprozess verbessert werden
  • summative Evaluation: Überprüfung versprochener Erfolge [49]

Ablauf:

  1. Zielformulierung: konkret, spezifisch, beweisbar, positiv formuliert, ...
  2. Aktion: Was tun wir / ich, um die Ziele zu erreichen?
  3. Messung: treffende Indikatoren, die von Zielen abhängen, richtiges Instrument, klare Fragen, deutlicher Zweck.

Visualisierung: vereinfachtes Ablaufschema.

Evaluation von Lehrenden kann auf allen Ebenen der Unterrichtsplanung stattfinden:

  • Operationalisierung (z.B. aufstellen von Lehrzielen)
  • Design (z.B. Sachstruktur und Methodik)
  • Prozess (z.B. Aktionsform, Sozialform)
  • Erfolgskontrollen (z.B. Transferaufgaben).

Selbstevaluation ist eine der Kernaufgaben des Lehrenden.

GB: evaluation

  Exkursion Eher als Medium denn als Methode einzuordnen: man verlässt den angestammten Lernort für eine längere Zeitdauer als die reguläre Unterrichtszeit im Fach (z.B. für mehr als eine Unterrichtsstunde), um sich an Ort und Stelle mit dem Realobjekt zu beschäftigen (z.B. Reisen mit ausgewiesenem Lehrziel).

Die Exkursion ist zu unterscheiden z.B. von

GB: work related learning

+ Experiment Im allgemeinen Sinn: Planmäßig ausgelöster, reproduzierbarer Vorgang zum Zweck der Beobachtung. [6] Dieser Begriff schließt z.B. das Gedankenexperiment und das Modellexperiment mit ein. Beim wissenschaftlichen Experiment kennt naturgemäß niemand das Ergebnis, beim Experiment im Unterricht (im speziellen unterrichtlichen Sinn) MUSS es dem Lehrenden bekannt sein.

Wir ordnen das unterrichtliche Experiment einer speziellen Klasse von Medien zu, der, die Primärerfahrung vermittelt.

Beim unterrichtlichen Experiment unterscheiden wir

  • das angeleitete Experiment (eine Vorschrift liegt vor) vom
  • freien Experiment.

Das Experiment kann im Unterricht je nach Einsatz durch den Lehrenden durch eine präexperimentelle Phase (Entwurf, Planung...) eingeleitet und durch eine postexperimentelle Phase (Interpretation, Darstellung von Ergebnissen...) abgeschlossen werden (Forschungszyklus).

  • Technik: Nach sauberer fachgemäßer Arbeitsweise Makromaßstab mit laborüblichen (Glas)Geräten. Unter den wenig scharf zu fassenden Begriff "Microscale" fallen Experimente, bei denen Laborgeräte durch Alltags- und medizinische Geräte ersetzt wurden. "Petrischalen-Versuche" werden zu Projektionszwecken statt in Becher- oder Reagenzgläsern in Petrischalen durchgeführt.
  • Einsatz: an allen didaktischen Orten, z.B. Motivation, Darbietung, Erarbeitung, Zusammenfassung, Ausweitung, Wiederholung...
  • Vorteile: Stellt in der Chemie "die Sache an sich" und den Wesentlichen Teil der fachgemäßen Arbeitsweise dar.
  • Gefahren: Überforderung sehr junger Lernenden auf submikroskopischer Ebene.

Syn: Versuch.

Visualisierung

 
D: GB:
präexperimentell Planning
Experiment Obtaining and presenting evidence
postexperimentell Analysing and considering evidence
Evaluating
  (=POAE-Modell)

Sonderformen: Im Umlauf sind wenig zu systematisierende Begriffe wie

  • "Computerexperimente" (siehe Messwerterfassung),
  • "Petrischalenversuche" (siehe oben)
  • "Spritzenversuche", "microscale" (siehe oben)

GB: activity, experiment

  Experten Unterrichtsmedium aus der Gruppe der vorwiegend fremd gestalteten Medien.
  • Technik: Der Lehrende lädt einen Experten in den Unterricht ein.
  • Einsatz: an allen didaktischen Orten, z.B. Motivation, Darbietung, Erarbeitung, Zusammenfassung, Ausweitung, Wiederholung...
  • Vorteile: Die Glaubwürdigkeit wird durch Lernende höher bewertet als die des Lehrenden.
  • Gefahren: Wenig Unterrichtsrelevanz, nicht adressatengerechtes Agieren des Gastes.
  • Tipps: Vorgespräche führen und über Lehrziele und Adressaten aufklären.

GB: expert

  Expertenkongress Methodenbaustein mit dem Charakter einer Unterrichtsmethode. Die Lernenden erarbeiten sich in Gruppen Inhalte oder Fertigkeiten und werden dadurch zu Experten für ihre Teil-Aufgabe. Die zu bearbeitende Aufgabe muss sich in die entsprechende Zahl von Teilaufgaben gliedern lassen. Danach werden neue Gruppen so gebildet, dass aus jeder der ursprünglichen Gruppen ein Experte enthalten ist. Jeder Experte präsentiert seine Erkenntnisse dem Rest der Gruppe. So kommt jeder Teilnehmer in den Genuss der ganzen Aufgabe und kann einen Teil selbst präsentieren.

Bsp.: Die Entwicklung der Atomvorstellung, ppt 300k
          Vorlagen, ppt 300k

Sozialform: Gruppenarbeit

Didaktischer Ort: Erarbeitung, Festigung.

Syn.: Expertenpuzzle

Visualisierung

Als Variante wird ein "Expertenkarussell" beschrieben: Die Lernenden erarbeiten sich wie oben in genau 3 Gruppen Inhalte oder Fertigkeiten und werden dadurch zu Experten für ihre Teil-Aufgabe. Auf ein Signal hin wechselt nur jeweils ein Lernender aus jeder Gruppe die Gruppe und präsentiert seine Erkenntnisse. Auf ein zweites Signal hin wechselt ein anderer Lernender die Gruppe und präsentiert das zweite Ergebnis, zum Schluss ein dritter, so dass wiederum alle Gruppenmitglieder die vollständige Lösung kennen.

Visualisierung

Sehr ähnlich ist auch das "Kugellager": die Lernenden stellen sich in zwei konzentrischen Kreisen einander gegenüber auf und erklären einen Sachverhalt dem Gegenüber. Dann wird um einen Teilnehmer weiter gerückt und der, der erklärt hat, hört jetzt zu. Die Zahl der Durchgänge entspricht der Zahl der Teilaufgaben. [nach 52]

Visualisierung

Beide Varianten sind organisatorisch und zeitlich sehr aufwändig, so dass sie eigentlich den Rang eines Unterrichtsverfahrens haben sollten. Dafür sind zurzeit noch nicht klar genug Unterrichtsphasen (z.B. Artikulationsstufen) formuliert.

  Fachdidaktik

Als Lehr- und Lernwissenschaft ist sie stets einer oder mehreren Fachwissenschaften beigeordnet. Sie wählt bedeutsame Inhalte aus und harmonisiert die fachwissenschaftlichen Ansprüche mit den Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie Bedürfnissen unterschiedlicher Adressatengruppen. Inhalte, Formen und Methoden des Unterrichtens werden zu reproduzierbaren Unterrichtseinheiten verbunden. Didaktik.

Ihr Untersuchungsobjekt ist die Planung, Durchführung und Analyse des Unterrichtens und Berichtens im jeweiligen Unterrichtsfach. Sie beschreibt:

  • den historischen Gang ihres Faches,
  • erforscht, reflektiert, begründet alles Aspekte des Unterrichts im jeweiligen Fach, 
  • erkundet den tatsächlich stattfindenden Unterricht und seine Ergebnisse
  • führt in die Praxis des Unterrichtens ein und 
  • entwickelt und überprüft in der Praxis Unterrichtsmodelle. [4n]

Die Fachdidaktik ist eine der Berufswissenschaften des Lehrenden und verbindlicher Teil der Aus- und Fortbildung von Lehrenden. Auf dem Wege von Reflexion und Evaluation der Unterrichtsergebnisse leistet sie einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung didaktischer Kompetenzen und damit zur Qualitätssicherung von Unterricht.

Fachdidaktik sucht nach objektivierbaren Regelhaftigkeiten innerhalb des Lehr-Lernprozesses, des Erziehens und des sich Bildens. Beide Wissenschaftsbereiche formulieren praxisrelevante Hypothesen. Diese überprüfen sie mit eigenen Forschungsmethoden.

Forschungsziel ist der Erkenntnisgewinn zur kontinuierlichen Optimierung fachbezogener Ausbildung und Bildung in Schulen und ähnlichen Einrichtungen. Die Ergebnisse fachdidaktischer Forschung (neue Formen und Wege der Veranschaulichung) dienen Lehrenden und allen, die sich die Vermittlung von fachwissenschaftlichen Aussagen zur Aufgabe gemacht haben (Wissenschaftsjournalisten, Marketingfachleute, Politiker, Fachwissenschaftler u.a.) und stehen der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. [5]

GB: chemistry education (siehe Bemerkungen zu Didaktik)

+ fachgemäße Arbeitsweise i.w.S.: typische Arbeitsweisen für eine Naturwissenschaft / einen Naturwissenschaftler, z.B. (nach steigender Komplexität geordnet):
  • betrachten (ruhendes Objekt) (to watch) und
  • beobachten (dynamische Prozesse; möglichst objektiv, geht über das Wahrnehmen hinaus; direkt, d.h. mit den Sinnen, und indirekt mit erweiterten Sinnen, Geräten) (to observe)
  • vergleichen (vorher - nachher) (to compare)
  • messen (to measure, to detect)
  • Hypothesen formulieren
  • Hypothesen experimentell überprüfen (verifizieren, falsifizieren) (to revise)
  • untersuchen, ver(!)-suchen (erweiterte Betrachtung, mit Hilfsmitteln, einfaches Experimentieren = Versuche)
  • Experimente (erweiterte Versuche) entwickeln (to design) und durchführen (to carry out)
  • protokollieren (to record, to log)
  • (experimentelle) Verfahren optimieren
  • Theorien formulieren
  • Modellbildung...

i.e.S.: typische Arbeitsweisen für die Chemie / einen Chemiker, z.B.:

  • Verwendung einer typischen Formel- und Zeichensprache
  • typische Formen des Messens (Stoffgrößen)...

GB: (chemistry) specific skills

+ fachliche Ausbaufähigkeit Eines der Prinzipien zur didaktischen Reduktion: stark didaktisch reduzierte Inhalte müssen in weniger stark reduzierte kontinuierlich, ohne Bruch, überführt werden können.
+ fachliche Richtigkeit Eines der Prinzipien zur didaktischen Reduktion: durch Maßnahmen der didaktischen Reduktion darf ein fachlicher Inhalt nicht falsch werden.
  fächerübergreifender Unterricht

siehe fächerverbindender Unterricht.

Der überaus zaghafte Versuch, Nachteile des Fachunterrichtes zeitweise zu überwinden. Von einem Leitfach aus werden themenabhängig Bezüge zu anderen Fächern hergestellt, wobei aber die Fächer jeweils von eigenen Fachlehrern unterrichtet werden. [nach 24]

Der Begriff wird in bayerischen Lehrplänen unkritisch verwendet. Gemeint ist wohl fachübergreifender Unterricht.

GB: ~ cross curriculum teaching, interdisciplinary teaching

  fächerverbindender Unterricht

Konzeption. Mehrere Einzelfächer bestimmen nebeneinander mit ihren Fachstrukturen den Unterricht. Inhaltliche und organisatorische Koordinierung ist, vergleichbar einem Projekt unter Beteiligung mehrerer Fachlehrer, notwendig. [2]

Syn.: fächerübergreifend, fächervernetzend.

GB: ~ cross curriculum teaching

  Fachlehrer

Professioneller Erzieher mit dem gesellschaftlichen Auftrag zur Vermittlung spezieller Kenntnisse und Wissensformen. [5]

GB: subject specialist

  fachliches Lernen

Der Unterricht dieser Prägung ist von einem Einzelfach mit seinen fachlichen Strukturen (und einer gewissen fachlichen Enge) geprägt. Gelegentlich werden Hinweise auf die Bedeutung der behandelten Sachgegenstände in anderen Bereichen gegeben. [2] Siehe auch Fachunterricht.
Gegensatz: überfachliches Lernen.

+ fachübergreifender Unterricht

Das Einzelfach mit seiner Fachstruktur bestimmt den Unterricht, weitet aber die Inhalte auf traditionelle Inhalte anderer Fächer planmäßig aus. [2]

Syn.: fachaufweitend, fachüberschreitend, grenzüberschreitend.

GB: ~ cross curriculum teaching

+ Fachunterricht
fachlich
Organisierte Form der Vermittlung von Kenntnissen, Einsichten und Verfahrensweisen im jeweiligen Fach. [4n]
Zur Position des Fachunterrichtes im Verlauf der weiterführenden Bildung siehe Animation (ppt, 143k).
  Fallstudie, Fallbeispiel Im Fach Chemie unbeachtete Unterrichtsmethode. Besonders in der Lehrerbildung hat sie wohl bedeutendes Potential. Nach [24] sind sechs (Artikulations)Stufen zu unterscheiden:
  1. Konfrontation. Ähnlich der Problemstellung in forschenden UV soll der Sachverhalt in Form eines Falles dargestellt werden, z.B. eine Unterrichtssituation.
  2. Information. Lernende sammeln zur Lösung des Falles benötigte Zusatz-Informationen, z.B. fachdidaktische, fachliche, lernpsychologische Fakten.
  3. Exploration. Es wird nach möglichst vielen Lösungsmöglichkeiten gesucht, z.B. waren Fachfehler, ungeschicktes Verhalten des Lehrenden, didaktische Fehler, Fachsprache, Schüler-Fehlverhalten oder eine Kombination mehrerer Faktoren vermutlich ursächlich?
  4. Resolution. Man entscheidet sich für die wahrscheinlichste Lösung.
  5. Disputation. Die favorisierte Lösung kommt ggf. auf den Prüfstand und wird gegenüber anderen (Gruppen) verteidigt.
  6. Kollation. Die gefundene Lösung wird mit einer Lösung von Experten verglichen und erörtert.

Die Bedeutung für den Chemie-Unterricht und spezifische Leistungen müssen noch ausgelotet werden. Als Unterrichtsmethode gehört sie wohl in die Gruppe der problemorientierten, eher lehrendenzentrierten UM, wenn ein Fallbeispiel aus der Praxis (der Lernenden?) genommen und seine Lösung demonstriert wird. Hattie [95] findet Effektstärken von d=0,49 bis d=0,60 und sieht die Leistungen hauptsächlich darin, "Lernenden zu demonstrieren, wie 'Erfolg' aussieht".

+ Feedback Nach Hattie [95] eine der wirksamsten Maßnahmen (Lehrgriff)im Unterricht (Effektstärke d=0,73). Man unterscheidet:
  • feed up (Wohin gehtst du? Die Frage nach dem Ziel.)
  • feed back (Wie kommst du voran? Die Frage nach dem aktuellen Fortschritt.)
  • feed forward (Wohin geht es als Nächstes? Die Frage nach dem Anschluss.),

wobei in effektivem Unterricht alle drei Formen genutzt werden sollten. Ebenso bedeutend für die Wirksamkeit von Feedback ist, alle drei Formen auf folgenden Ebenen zu nutzen:

  • Inhalte-Ebene (Stimmt das Ergebnis?)
  • Prozess-Ebene (Habe ich den Lösungsweg verstanden?)
  • Ebene der Selbstregulation (War mein Lösungsprozess organisiert?)
  • Ebene des persönlichen Erlebens (Wie ging es mir mit der Arbeit an der Aufgabe? bzw. persönliches Lob an Lernende.).
  Fehler Ein Fehler ist ein Zeichen dafür, dass etwas fehlt (alte mesopotamische Weisheit).
+ Fehlvorstellung Vorstellung, die nicht mit wissenschaftlichen Erklärungen und Modellen von Phänomenen übereinstimmen. [nach 37]

Wir unterscheiden:

  • durch die Lernenden mitgebrachte (Präkonzepte) und
  • in der Schule erzeugte Fehlvorstellungen ("lehrerinduzierte Lernschwierigkeiten"), was eigentlich nicht vorkommen sollte.

Beispiele:

  • In der Flasche ist nichts drin (i.S.v. "auch keine Luft").
  • Das Papier ist verbrannt (i.S.v. vernichtet).
  • Eisen hat sich in Rost verwandelt (i.S.v. ohne Einfluss von außen).
  • Zucker löst sich in Wasser auf (i.S.v. verschwindet, nicht mehr vorhanden)...

Syn.: Misskonzepte.

Siehe auch: Vorstellung, Vorwissen.

GB.: misconception

+ Feinziel

Detaillierteste Lehrzielebene, die noch eine abgeschlossene Einheit beschreibt. Es ist in der Hierarchie dem Richt- und dem Grobziel untergeordnet. Je Unterrichtseinheit (UE) (Reichweite 15-20 Minuten) sollte in der Regel nur ein kognitives Feinziel durch Lehrende formuliert werden.

Bsp.: Gymnasium Bayern, Grobziel  9.3 (Stand 2002) Reaktionsgleichungen und ihre Aussagen
1. Aufstellen einer Reaktionsgleichung für eine Synthese aus
    den Elementen (UE 1)
2. Quantitative Aussagen einer Reaktionsgleichung (UE 2)
3. Energetische Aussagen einer Reaktionsgleichung (UE 3).
  Fertigungsaufgabe Peterßen S. 100, Verweis auf Werkaufgabe
+ Festigung Sehr leistungsfähige Artikulationsstufe meist in der Abschlussphase einer Unterrichtsmethode, die zum Ziel hat, den Lernenden Sicherheit im Umgang mit dem verfolgten Lehrziel zu vermitteln. Nicht mit Erfolgskontrollen zu verwechseln.

Syn.: Sicherung.

Der Begriff Wissenssicherung sollte vermieden werden, weil er mit der Beschränkung auf Wissen viel zu kurz greift.

GB: consolidation

  Filmleiste siehe Bildsequenz.
  Flip-Chart Eine Form des Unterrichtsmediums Tafel, bei der großformatige Papierblätter beschrieben und umgeblättert oder abgerissen werden.
  • Technik: Unter dem Flip-Chart wird im Handel das Gestell mit Klemmvorrichtung oder Zapfen bezeichnet, als Zubehör gibt es den Flip-Chart-Block, dessen Größe (in Europa) einheitlich bei ca. 100*70cm zu liegen scheint.
  • Einsatz: kaum für den Unterricht geeignet, aber für kleine Gruppen und spontanen Einsatz (Moderationszwecke) durchaus hilfreich.
  • Vorteile: in Grenzen transportabel (z.B. auf den Schulhof, ins Schullandheim).
  • Nachteile: kleine Fläche, das Vor- und Zurückblättern ist mühsam; ansonsten wie die weiße Tafel.
  • Tipps: -

Die deutsche Bezeichnung Tafelschreibblock ist ungebräuchlich, taugt aber zur Ableitung des Artikels: der Flip-Chart.

GB: flip chart

  Flussdiagramm Methodenbaustein mit Mediencharakter. Streng formalisierte Darstellungsweise aus den Informationswissenschaften für Entscheidungsvorgänge. Symbolik dafür siehe [58 bzw. DIN 66001]. Erst der Prozess des Erstellens eines Flussdiagramms durch Lernende ggf. zusammen mit Lehrenden macht aus der rein bildlichen Darstellung (Medium) ein methodisches Vorgehen. 

Sozialform: Partner-, Gruppen- oder Klassenarbeit.

Didaktischer Ort: Festigung.

Syn.: Ablaufdiagramm, Programmablaufplan PAP

Bsp.: Halogenidnachweis


Ausschnitt aus einem Flussdiagramm

GB: flow diagram

  Folie siehe Arbeitstransparent
+ forschende Unterrichtsmethode

a. Schülerzentrierte, offenere Unterrichtsmethode, bei der der Lernende wie ein Wissenschaftler bei seiner Forschertätigkeit vorgeht; er wendet die Denkweise der Naturwissenschaftler an. Am Ende steht eine selbst erarbeitete Erkenntnis. Typische Artikulationsstufen:

  1. Problemgewinnung
  2. Planung der Lösung
  3. Durchführung des Lösungsvorschlags
  4. Abstraktion
  5. Festigung.

Vermutlich handelt es sich um eine ganze Gruppe verwandter Unterrichtsmethoden, die in sehr unterschiedlichem Maß Lehrerlenkung bzw. Schülerfreiheit erlauben, z.B. die forschend-entwickelnde Gruppe und die forschend-entdeckende Gruppe. In der Literatur ist noch keine klare Differenzierung unternommen worden.

b. forschendes Lernen: syn.: entdeckendes Lernen.

GB: inquiry based teaching IBT (as a teaching method)

  Forschung Will begründen, warum etwas nicht so ist wie es sein könnte oder warum etwas so ist, wie es ist.

GB: scientific investigation, research

  Forschungszyklus

Über das reine Experiment hinausgehende Bemühungen, den naturwissenschaftlichen Weg der Erkenntnis im Unterricht nach zu bilden.

Das Nachvollziehen eines Forschungszyklus führt zum forschend(-entdeckend)en Unterrichtsverfahren.

Visualisierung

Der Begriff wird im (übersetzten) Sinn von [88] verwendet.

GB: research cyclus

  Fortbildung

Lernaktivitäten von Lehrenden nach Abschluss der Ausbildung, die zum Ziel hat, gegenwärtige fachliche und didaktische Entwicklungen in die eigene Tätigkeit mit zu integrieren. Sie kann institutionalisiert (Universitäten, Fortbildungsakademien, schulintern) oder privat (Literatur) ablaufen.

Pflicht zur Fortbildung besteht für Lehrende schon immer. Seit 2003 besteht in Bayern die Nachweispflicht für 16 Stunden institutionalisierte Fortbildung in 3 Jahren.

GB: continuing professional development (CPD)

+ Frage Vor allem bei der fragenden Unterrichtsmethode kommt der Fragetechnik sehr große Bedeutung zu. Wir unterscheiden:

a. nach der Form:

  • geschlossene Fragen, auf die man nur mit "Ja" oder "Nein" antworten kann ("Noch Fragen?") und
  • offene Fragen, die eine Antwort im Satz erfordern ("Welche Punkte erscheinen noch unklar?").

b. nach dem Zweck:

  • prozessregulierende Fragen ("Was haben Sie nicht verstanden?"); diese schließen soziale Prozesse (Handlungskoordination, Konversations- und Aufmerksamkeitskontrolle) mit ein; und
  • wissensgenerierende Fragen ("Was passiert, wenn man A und B mischt?") [83]

c. nach der Qualität:

  • Frage nach Fakten ("Was ist Branntkalk?")
  • Frage nach Bedingungen (Konditionen; "Wieso kommt es beim Kalk löschen auf die Wassermenge an?")
  • Frage nach der Funktion ("Kann das Abbinden von Mörtel durch Zuführen von Kohlenstoffdioxid beschleunigt werden?").

Wir empfehlen, die Dominanz von Fragen im Unterricht durch das Meiden geschlossener Fragen und das Ersetzen eines Teils der offenen Fragen durch Arbeitsaufträge, die mit Hilfe von Operatoren formuliert werden, zu reduzieren. Die Faustregel, "W-Fragen" zu vermeiden, kann für den Start des Prozesses hilfreich sein, ist aber nicht mehr als eine Regel mit durchaus sinnvollen Ausnahmen.

+ fragende Unterrichtsmethode Lehrerzentrierte, maximal geschlossene Unterrichtsmethode, bei der das Fortschreiten durch eine Kette von Lehrerfragen vorangetrieben wird.
Vorteile:
  • das Erreichen eines Lehrzieles ist fast zwingend
  • alle Lernenden sind vollständig synchronisiert
Probleme:
  • Fragetechnik wird häufig nicht beherrscht (spontane, unscharfe, missverständliche, unvollständige Formulierungen, geschlossene Fragen)
  • fördert nicht das selbständige Problemlösen
Nachteile:
  • erzieht zu Unselbständigkeit im Denken

Typische Artikulationsstufen:

  1. Mitteilung des Themas
  2. Erfragung
  3. Abstraktion
  4. Festigung

Bedingung für das Gelingen als Unterrichtsmethode ist die klare Stufung und das Beherrschen didaktischer Fragestellung. Lehrerfragen können typisiert werden als:

  • Erkundigung, z.B. „Erkennst Du den Unterschied zwischen Salzsäure und Kohlensäure?“
  • Sicherheit, z.B. „Was versteht man unter einem Ampholyten“?
  • Kombination „Wie erklärt sich die Energetik eines CuCl2/Zn- oder eines S/Zn-Gemengeverhaltens?“
  • Verfügbarkeit „Weshalb sollen Spengler keine Eisenspäne in einer Kupferdachrinne vergessen?“ [5]

Allerdings lassen sich ein Großteil der üblichen Fragen durch Aufgabenstellungen mit Hilfe von Operatoren ersetzen.

Gelegentlich synonym verwendet: Normalverfahren.
Peterßen bezeichnet die "Methode" aus verschiedenen Gründen als Mogelpackung [24].

  Freiarbeit

Freiarbeit als Konzeption beschreibt eine Form des Unterrichts, die dem selbstgesteuerten Lernen vorbehalten bleibt und die Maximalform der Differenzierung darstellt. Lernende sind bezüglich aller Freiheiten selbständig:

  • inhaltlich (was wird gemacht?),
  • zeitlich (wann wird gelernt?)
  • räumlich (wo wird gelernt?)
  • sozial (mit wem wird gelernt?)
  • materiell (mit was wird gearbeitet?)
  • methodisch (wie wird gearbeitet?) und sogar
  • kontrolltechnisch (was hat man danach erreicht?).
    [nach 24]

Der Lehrende ist Unterrichtsbegleiter.

Man unterscheidet

  • Freiarbeit als durchgängiges Unterrichtsprinzip; die gesamte Lernzeit gehorcht dem Freiarbeits-Muster.
  • unterschiedlich starke Einschränkungen der Freiarbeit: zeitlich (nur bestimmte Phasen), inhaltlich (nur in einem bestimmten Fach, oder bei bestimmten vorgegebenen Themen, "Themenarbeit"), materiell (Auswahl von Materialien aus einem Set von Bereitgestellten) usw.

Freiarbeit als Unterrichtsmethode: Obwohl von Haus keine starre Gliederung erforderlich ist, sie individuell variiert werden kann, lässt sich Freiarbeit durchaus mit Hilfe des Artikulationsmodells beschreiben:

  1. Problemfindung
  2. Planung der Lösung (einschl. Entscheidung über die Sozialform)
  3. Lösung (einschl. Informations- und Materialbeschaffung)
  4. Präsentation (einschl. ihre Vorbereitung in der Sozialform)
  5. Metakognition (syn. Reflexion).
  6. (Abstraktion)

Für eine Abstraktionsphase wäre die Unterstützung des Lehrenden erforderlich. Man geht davon aus, dass eine eigene Festigungsphase überflüssig ist.

Freiarbeit gehört somit zur Gruppe der problemorientierten Unterrichtsmethoden moderner Ausprägung (mit Metakognition).

GB: free activity, self supported study

  Freiarbeitsmaterial Sehr weit zu fassender Begriff, der alle Formen von Materialien umfasst, die selbstgesteuertes Lernen unterstützen. Sie sind meistens materieller Art:

GB: free activity material

  Frontalunterricht

Eine Lehrtechnik, bestenfalls Unterrichtsform, auf keinen Fall Unterrichtsmethode, unter vollständiger Dominanz des Lehrenden als Monopolisten der Informationslieferung.

Die zur Zeit am häufigsten zu beobachtende Form des Unterrichts (~80%) an weiterführenden Schulen (was nichts über die Qualität aussagt). In frontaler Situation können neben Lehrenden als Informationsmedium weitere Medien (Experiment, Film...) oder Lehrgriffe (Lernender wird aufgerufen) eingesetzt sein. Frontal kann der Lehrende, ein außerschulischer Experte oder ein Lernender agieren.

Nicht zu verwechseln mit direct instruction!

GB: didactic instruction, "chalk-and-talk", ex-cathedra teaching

  ganzheitliches Lernen

Konzeption. Ausrichtung der Lernprozesse an Themenkomplexen, die aus der als Ganzheit erlebten, nicht allein durch Fachbezüge zergliederten Erfahrungswirklichkeit der Lernenden stammen und die für ihn als lebensbedeutsam gelten. Ganzheit ist stets von den betroffenen Individuen (Lehrender, Lernender) konstruiert. [4n]

Ganzheitlich bedeutet, vor allem anhand von Primärerfahrungen lernen, was in der Chemie forschendes und experimentelles Arbeiten bedeutet.

"Lernen mit Kopf, Herz und Hand."

GB: integrated learning

  Gedächtnis Die Neurowissenschaften unterscheiden heute:
  • Gedächtnis für bedingte Reflexe; daran ist das Kleinhirn maßgeblich beteiligt (z.B. beim Geruch von Kohlsuppe wird mir schlecht, weil ich nach dem Verzehr von Kohlsuppe einmal heftige Bauchschmerzen bekam);
  • Konditionierungen (z.B. immer wenn ich als Säugling schreie, kommt ein Elternteil herbei); vermutlich ein Zusammenspiel mehrerer Gehirnareale;
  • episodisches Gedächtnis an Ereignisse, die die eigene Person betreffen (z.B. erster Schultag, 18. Geburtstag); Frontal-Cortex und Hippocampus;
  • semantisches Gedächtnis an Fakten (z.B. der Name des Nobelpreisträgers Chemie von 2001, der Siedepunkt von Propanol); vermutlich entorhinaler Cortex und Temporallappen;
  • prozedurales Gedächtnis, das Fertigkeiten in den Basal-Ganglien speichert;
  • das Arbeitsgedächtnis (früher Kurzzeitgedächtnis; z.B. sich eine Telefonnummer so lange zu merken, bis man sie gewählt hat), vermutlich im präfrontalen Cortex;
  • prospektives Gedächtnis; im frontopolaren Cortex; es ermöglicht vermutlich nur dem Menschen, eine Aufgabe für die Erledigung in fernerer Zukunft (mehr als 60s) zu speichern. [38]

GB: memory

+ geformte Materialien Gruppe von Unterrichtsmedien, die sich nicht mit den Kriterien selbst bzw. fremd gestaltet beschreiben lässt. Hierunter fallen Materialarrangements, für die Lernende keine Anleitung zur Handhabung benötigen. Die Materialien senden Aufforderung zur Beschäftigung damit aus. In institutionalisierten Lernsituationen trifft der Lehrende Entscheidungen über die Zusammenstellung zum Arrangement abhängig von seinen Lehrzielen.
  • Technik: Oft handelt es sich um Montessori-Materialien oder -Kisten.
  • Einsatz: überwiegend für Einstieg und Erarbeitung.
  • Vorteile: Sehr sinnvoll bei offenen Unterrichtsmethoden einsetzbar.
  • Gefahren: Ungeübte Lernende können leicht überfordert werden.


Bsp. Lebensmittel. Hoher Aufforderungserfolg, da Lernende sich zutrauen, damit etwas zu tun.


Bsp. Elektrochemie. Geringer Aufforderungserfolg, da Lernende sehr unsicher bzw. ängstlich sind. Deshalb ergibt sich die Notwendigkeit von Lehreraktivität.

  Gegenstand

Veraltete Bezeichnung für Syn.: Inhalt, "Stoff", die "Sache".

  Geisteswissenschaft

Beschäftigt sich mit den Schöpfungen des menschlichen Geistes. [7]

Bsp.: Philosophie, Theologie, Philologie, Geschichte, Kunst, Jura, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie (Mathematik).

GB: the humanities (gibt es wohl nur im Plural)

  Gelegenheitsunterricht Situationsthematisierter Unterricht mit teilweise spontanem Charakter "aus gegebenem Anlass", wobei sich die Spontaneität nur auf den auslösenden Moment, nicht auf die unverzichtbare methodische Ausformung bezieht. [5]

Gegenteil: Lehrgang.

+ Generalisierung Eine der Maßnahmen zur didaktischen Reduktion: durch Verallgemeinerung eines geeigneten Einzelbeispieles wird ein fachlicher Inhalt für einen bestimmten Kreis von Lernenden verständlich.
  genetisch Peterßen S. 118
  Gesamtschule In Deutschland: eine Bezeichnung für eine Schulform, bei der alle Lernenden ab Jgst. 5 zusammen untergebracht sind. Man unterscheidet:
  • additive (kooperative) Gesamtschule: eine Schule, in der die Schulformen Hauptschule, Realschule und Gymnasium als Zweige getrennt bleiben;
  • integrierte Gesamtschule: Lernende einer Klasse besuchen je nach Leistungsfähigkeit unterschiedlich anspruchsvolle Kurse in einem Fach (z.B. in Chemie den A-Kurs auf gymnasialem Niveau, in Englisch den B-Kurs auf Realschulniveau und in Sozialkunde den C-Kurs auf Hauptschulniveau).

GB: comprehensive school

+ geschlossene
Unterrichtsmethoden
Unterrichtsmethoden, bei denen der Lehrweg (bezüglich aller Parameter durch den Lehrenden) genau vorgegeben wird. Abweichungen sind nicht vorgesehen. [4]

Parameter (aus Lehrenden-Sicht):

  • Inhalt (was will ich lehren?),
  • Unterrichtsmethode (wie will ich lehren?),
  • Arbeitsform (welche Aufgabe haben dabei die Lernenden?)
  • Sozialform (wie viele Lernende sollen zusammen arbeiten?),
  • Zeit (wann sollen die Lernenden den Inhalt bearbeiten?)
  • Ort (wo werde ich lehren? Klassenzimmer? Fachraum? Betrieb?).

Da der extrem geschlossene Grenzfall zu oft in der Praxis auftritt, unterstützen wir begrifflich teilweise geschlossene bzw. geöffnete UM.

Beispiele:

  • fragend (sehr geschlossen)
  • entwickelnd (geschlossen)
  • historisch (geschlossen oder offener führbar)
  • forschend (bei Fehlinterpretation wenig offen).

GB: closed teaching methods

+ Grobplan

Grobe Zuordnung der Inhalte eines Lehrgangs (z.B. auf Grobzielebene) zu Zeiteinheiten, etwa Halbjahren, Wochen bis hin zu mehreren Unterrichtstagen.

Syn.: Verteilungsplan.

+ Grobziel Grobziele werden in Lehrplänen (Bayern bis 2014/15) formuliert. Ein Grobziel beschreibt das Ziel eines Lehrgangs eher kurzer Reichweite (mehrere Unterrichtsstunden). In der Hierarchie zwischen Richt- und Feinziel eingeordnet.
Bsp. Lehrplan Realschulen Bayern, Stand 2001 Bsp. Lehrplan Gymnasien Bayern, Stand 1991
Ch 8.4 Chemische Zeichensprache 9.3 Reaktionsgleichungen und ihre Aussagen
Ch 9.3 Chemische Reaktionen 11.4 Der Chemiebetrieb
Ch 10.4 Aromatische Verbindungen 13.1 Chemie der Biomoleküle

Syn.: Lernbereich (Bayern im LehrplanPLUS ab 2014).

GB: learning or teaching aims

  Großmutterdidaktik

Lehrmethode für Methodenmuffel, einfach zu verstehen und dennoch wirksam: "Steh hinter den Lernenden und bewundere sie."

GB: granny didactics

  Grundwissen a. Wissen, das für die fachliche Allgemeinbildung als unverzichtbar betrachtet wird.

Nötig wäre ein Überbegriff für

  • Grundwissen
  • Grundbegriffe (z.T. im bayerischen Lehrplan verankert)
  • Grundfähigkeit
  • Grundfertigkeit
  • Grundvorstellung...

b. Das Wissen, das Lehrende parat haben, ohne nachschlagen zu müssen :-)

Zur Zeit versuchen mehrere Schulebenen (lokal, auf Länder- und Bundesebene) mehr oder weniger erfolgreich, Grundwissen-Kataloge zu erstellen und verbindlich zu machen.

Syn.: Basiswissen, Wissenskanon.

GB: fundamentals (of chemistry)

  Gruppenarbeit Sozialform, bei der mehrere Lernende eine Aufgabe zusammen lösen. Man kann einteilen nach Zahl der Mitglieder: kleinste Einheit ist die Partnerarbeit (2), in der Regel ab 3 bis vielen Mitgliedern. Gegensatz: die Arbeit im Klassenverband bzw. Einzelarbeit.

Nach Art der Aufgabenverteilung kann man unterscheiden:

  • arbeitsgleich = konkurrierend (alle Gruppen erledigen gleiche Aufgaben)
  • arbeitsteilig (die Gruppen erledigen unterschiedliche Teilaufgaben)

GB: teamwork

+ Handlungsorientierung Konzeption bzw. allgemeines Unterrichtsprinzip, das davon ausgeht, dass (besonders bei jüngeren Kindern) Lernen durch Tätigkeit in bedeutender Weise unterstützt wird. Kognitive Lehrziele werden in engem Zusammenhang mit manueller Beschäftigung (psychomotorischen Lehrzielen) angestrebt. [4] S. 145

GB: activity based training

+ historische Unterrichtsmethoden Ein Satz von Unterrichtsmethoden, wobei jede sowohl schülerzentriert als auch lehrerzentriert geführt werden kann. Lehrende oder Lernende gehen dabei einen historischen Erkenntnisweg nach. Dies kann geschlossen entlang einer Zeitachse (historisch-chronologisch, keine Problemorientierung) oder historisch-genetisch bzw. historisch-problemorientiert (problemorientiert) und stark geöffnet erfolgen.

Typische Themen:

  • Atombau (von Epikur über Aristoteles, Dalton und Rutherford zu Bohr).
  • Säuren und Basen (vom konzeptfreien Zustand über Arrhenius zu Brönsted)
  • Oxidation (von der Aufnahme von Sauerstoff zur Abgabe von Elektronen).

 Typische Artikulationsstufen:

  1. Problemgewinnung (schülerzentriert) bzw.
    -stellung (lehrerzentriert)
  2. (Selbst)Information
  3. Durchführung
  4. Erweiterung
  5. Festigung.
+ Hypothese Formulierte Annahme, wie eine Beobachtung erklärt werden könnte. [6]

GB: hypothesis

Legende:
[n]   Quellenangabe, wobei n = Laufende Nummer aus dem Quellenverzeichnis.
fett Hervorhebungen sowie, bei Verbreitung mehrerer Synonyme, der vom Autorenkreis bevorzugte.

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